Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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mögen sie thun, was sie nicht lassen können; ich bin der Meinung,daß derjenige, welcher den ganzen Schiller (d. h. mehr alsseine Gedichte) und das deutsche Volk mit seinen Gelehrten undPriestern kennt, gestehen muß, nicht nur, daß die Nation beiihm noch nicht angekommen ist, sondern auch, daß es noch JahrHunderte dauern wird, ehe es den Inhalt des SchillerschenGeistes und Lebens in Saft und Blut verwandelt haben wird.So viel steht fest, daß ein Mann, welcher sich deutscher Bildungrühmt, ohne Schiller gar nicht gedacht werden kann. Undwenn man einen deutschen Knaben oder Jüngling auf einenMann hinzuweisen hat, aus dem er deutsches Blut in seine Geistes-adern hinüberleiten könnte, so ist kein anderer zu nennen, alsder Mann, aus dessen Feder keine zweideutige, verführerischePhrase geflossen ist, als der Mann, der, aus dem Volke ent-sprossen, ganz Volk blieb und die angeborne deutsche Natur zurhöchsten deutschen Kultur erzog der Mann, in dem sich, alseinem Genius, die Mängel seines Volkes nicht mehr vorfinden,wohl aber seine potenzierten Tugenden.

So könnte ich noch lange fortreden, die Pinselstriche (mankann dieses Wort, angesichts der Vollendung des Genius inSchiller, in doppeltem Sinne nehmen!) häufen, ohne nur imEntferntesten der Meinung zu verfallen, als seien damit in würdigerWeise die Leistungen charakterisiert, welche die deutsche Nation unddie Welt ihm zu verdanken haben. Man muß ihn genießen, umihn zu würdigen. Ihn genießen ohnedes Gedankens Blässe",ohne Kritik*; man muß sich ihm hingeben, um sich veredelnzu lassen, von ihm, von dem sein Freund Goethe sagte:

Von ewigen und ernsten DingenWar sein beredter Mund geweiht."

Hinter ihm, in wesenlosem ScheineLag, was uns alle bändigt, das Gemeine."

Lust, Freude, Teilnahme an den Schöpsungen er-habener Geister ist das einzige Reale, was wieder Realität her-vorbringt; alles aitdere ist eitel und vereitelt nur.

* Aus den wirklichen Kunstwerken lernt man die Kritik, wenn es seinkann, wie aus der Sprache die Grammatik, nicht aus der Grammatik dieSprache.