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die Entfaltung der natürlichen Neigungen, Triebe, Gefühle u. s. w.setzte und als deren Blüte die ästhetische und religiöse Welt-anschauung erschaute u. s. w.?! —
Nach obigen Vordersätzen ist man befähigt und berechtigt zubeurteilen, ob Schiller, der Kenner der Weltgeschichte undPsychologie, dem Dogmatismus nach Inhalt und Form, ober, dem das Denken lieber war als das Gedachte, dem doktri-nellen Materialismus, der jetzt in der Volksschuledominiert, ob er gleich seinen: Freunde Goethe ein „Todfeindder Wortschälle", dem kirchlichen Konfessionalismus in demSchulunterricht seine Zustimmung erteilt, oder sein Verdammuugs-nrteil darüber ausgesprochen haben würde. Die Denk- und Ge-sinnungsweise, die Weltanschauung, kurz der Charakter einesMannes bestimmt auch sein Erziehungsprinzip. Kennt manjenen, so kennt man auch dieses*. Schiller, der Mann derKraft, Energie und Freiheit, der den Mangel dieser Eigenschaftenin seinen: Volke so tief fühlte, der Manu der Natur und derWahrheit, ein Pharus des Lichts, eine helltöuende Memnous-süule, ein Hoherpriester des Wahren, Guten, Schönen, kurzSchiller konnte daher nur den: dynamischen Entwickeluugs-prinzip in der Erziehung der Jugend der Nation die Herrschaftzuerkennen. Thut jetzt ein anderes not? Oder wäre Kobillsimsreclivivim zu ersehnen? Oder ist das Volk eil: anderes geworden?— Ohne Zweifel fehlt es nicht an Leute«:, welche den Stand-punkt Schillers und seiner Zeitgenossen für „überwunden",seine Idee«: für veraltet, seine Bestrebungei: für verkehrt, seineWeltanschauung für falsch zu erklären geneigt sind; mögen sie,
* Der Realismus Goethes spiegelt sich, dem IdealismusSchillers gegenüber, auch iu seinen Ratschlägen über Erziehung. „Er-ziehung heißt, die Jugend an die Bedingungen gewöhnen, zu den Be-dingungen bilden, unter denen man in der Welt überhaupt, sodann aberiu besonderen Kreisen existieren kann." Und in „W. Meisters Lehrjahren"sagt er: „Man kann einem jungen Menschen keine größere Wohlthat er-weisen, als wenn mau ihn zeitig in die Bestimmung seines Lebens ein-weiht." Schiller dagegen hat in dem Knaben niemals den künftigenGenossen seines Standes, sonder» nur den Menschen im Auge. Goetheverkennt jedoch die Berücksichtigung der Individualität und „das Auferbauenvon innen heraus" keineswegs.