Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
Seite
51
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im System, nicht in überkommenen Worten, sondern in derlebendigen Unmittelbarkeit des Gemüts.

Die Religion des Menschen muß mit allen übrigen Kräftendes Menschen in Harmonie stehen; sie ist etwas Individuelles.

Ein Kind ist ein heiliger Gegenstand, ebenso heilig wie dasSittengesetz.

Alles, was die gesunde menschliche Natur thut, ist göttlich*.

Religions- wie politische Gesetze sind gleichmäßig verwerflich,wenn sie eine Kraft des menschlichen Geistes fesseln, wenn sieihm in irgend etwas einen Stillstand auserlegen. Ein Gesetzz. B., wodurch eine Nation verbunden würde, bei dem Glaubens-schema beständig zu beharren, das ihr in einer gewissen Periodeals das vortrefflichste erschienen, ein solches Gesetz wäre ein Attentatgegen die Menschheit, und keine noch so scheinbare Absicht würdees rechtfertigen können. Es wäre unmittelbar gegen das höchsteGut, gegen den höchsten Zweck der Gesellschaft gerichtet."

Absolutismus des Staates und Absolutismus der Kircheunterstützen sich gegenseitig. Jener gestattet dein Individuumdem Staate gegenüber in politischen Dingen kein Recht; dieserspricht ihm in religiösen Dingen alle Rechte ab. Beide wollenund thun dasselbe; sie machen den Menschen rechtlos, absolutabhängig. Jener erfindet eure aparte Moral für den Staat, dieStaatsräson, und ordnet sie über die Privatmoral; dieser er-findet den Jesuitismus und die Sophistik und tötet dadurch iuseinen Anhängern alles Gefühl für Recht und Unrecht. DerAbsolutismus der Kirche ist darum der gefährlichere Feind desMenschengeschlechts; er rottet die Wurzel der Sittlichkeit undReligiosität im Namen der Religion aus, Luther nannte darumseinen Inhaber den Antichrist.Das gemeinsame Ziel des Des-potismus und der Priesterherrschaft" sagt SchilleristEinförmigkeit, die Geistlichkeit ist von jeher eine Stütze derTyrannei gewesen. Der bürgerliche Druck macht die Religionnotwendiger und teurer, und blinde Ergebung in Tyrannengemalt

*Der Mensch versteht nichts, als was ihm gemäß ist. Es kommtauch darauf an, daß derjenige, von dem wir lernen sollen, unserer Naturgemäß sei." Goethe.