Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
Seite
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soph, Dramatiker und Ästhetiker, alles dieses, was sonst vereinzeltin einiger Vollendung schon einem Menschen Bedeutung verleiht,ist in ihm in höchster Potenz vereinigt, zu einer Einheit zu-sanimeugeschmolzen, die ihn den universalsten, vollkommensten,reichsten Menschen an die Seite stellt, darum ein erhabener Cha-rakter, ja man kann sagen: Alles durch Charakter und ausCharakter, in fleckenloser, reiner Menschlichkeit sein ganzesLeben hindurch der idealen Richtung zugewandt, begeistert füralles Wahre, Schöne und Gute, für Vaterland und Menschheit,Freiheit und Humanität, einer der edelsten Söhne des Vater-landes, dessen Zierde und Stolz, die Spuren seiner Heimat ansich tragend, aber frei von Sondergeist und selbst die Nationalitätzu edlem Weltbürgersinn verklärend, vor und neben anderngroßen Deutschen vorzugsweise ein Mann von echtdeutschem,nationalem Gepräge, kurz eben Schiller, das ist genug gesagt,denu es ist das Ganze.

Nm seine Bedeutung (ich wiederhole dies) in der Geschichteund Kultur der deutschen Nation zu würdigen, denke man sichdiesen einzigen Mann weg fehlte dann nichts, würde nicht i»dem Geistesleben jedes einzelnen wie der ganzen Nation einetrostlose Lücke und Leere entstehen? Würden wir dann nicht denschwungvollsten rmd idealsten unserer Jugendschriftsteller vermissen?Wer, der auch nur ein Gedicht, ein Drama, einen seiner prosai-schen Aufsätze (die wohl noch keiner vollständig ausgebeutet hat)gelesen lind genossen hat, bekennte nicht freudig, durch ihn ver-edelt, für alles Wahre, Erhabene und Große gewonnen wordenzu sein? Wahrlich, wer die unsterblichen Werke Schillers, derGegenstand der Bewunderung und Verehrung der ganzeil ge-bildeteil Welt, der deutschen Jugend, den deutschen Männern undden deutschen Frauen vorenthalten wollte er beginge an ihneneinen Raub der verbrecherischsten Art. Wer seinen Geist nähren,seiil Herz veredeln, sein Gemüt reinigen, seine Vernunft mit denedelsten Idealen bereichern will, der braucht nur zu den Erzeug-nissen dieses Geistes, dieses Herzens, dieses Charakters zu greifen.Wer sich davon nicht ergriffen, sich nicht freudig erregt weiß,daß er als Mensch sich diesem erhabenen Menschen verwandt