Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

25

jene Verschrobenheit in dein besseren Teile der Gesellschaft findetder ungeheure Beifall, der dem Emil zuteil wurde, seine Er-klärung.

Man denke an Basedow, seine Grundsätze und seineWerke! Den Gelehrtenschulen seiner Zeit hing ein pedantischerZopf im Nacken; an Anstalten, welche den intelligenten Bürgerbildete,:, fehlte es; der starren Anhänglichkeit an den Buchstabenwar man müde; die Zeitgenossen lebten in dem Zeitalter derAufklärung und Humanität: nur aus diesen und ihren ver-wandten Momenten läßt sich das Streben Basedows und der,jetzt uns in Staunen versetzende Beifall seiner Zeitgenossen be-greifen.

Man denke an die pädagogischen Ideen der großen Staats-männer in Preußen nach dem Jahre 1806! Dieselben hattenihren Ursprung in den Verhältnissen der traurigen Zeit, müssenaber, zur Verhütung der Wiederkehr trostloser Zeiten, ewig fest-gehalten werden.

Alan denke endlich an die drei preußischen Schul-Regulativedes Jahres 1854! Setzen sie nicht die Geschichte der unmittelbarvorhergehenden Jahre voraus? Wären sie in den Jahren 1807bis 1813 möglich gewesen? Daß ich damit ihre Zeitgemüßheitnicht behaupten will, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Ichwill nur die Behauptung erläutern, daß die Zeitverhültnisse aufdie pädagogischen Werke, die in ihr entstehen, einmirken, unddaß ohne deren Berücksichtigung weder ihre Entstehung, noch ihrWert gehörig zu würdigen ist. Es giebt allgemeine Grundsätzeund Ideen, die in allen Zeiten ihre Geltung behalten, es sinddiejenigen, welche in der Erkenntnis der Menschennatur, insoweitsich diese gleich bleibt und überall dieselbe ist, ihren Grund haben;aber die Pädagogik überhaupt ist kein unverwüstliches granitenesHaus, kein Mausoleum, sie geht mit der Zeit, soll mit ihr gehen,soll den Bedürfnissen der Zeit entsprechen. Was nicht gemäßist, was es nicht mehr ist, was es noch nicht ist: das nimmtdie Zeit nicht an, sondern geht darüber zur Tagesordnung fort.Die Pädagogik ist eine feste und eine bewegliche Wissenschaftzugleich. Ihr erster und oberster Grundsatz heißt Naturgemäß-heit, ihr zweiter Zeitgemäßheit. DaS Naturgemäße ist auch stets