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Ich glaube nicht, daß irgend einer ihn ausgelernt hat.Und das steht fest: wer ihn gar nicht kennt, nichts von ihn: ge-lesen hat, ihn ganz beiseite liegen läßt, versäumt es, seinenGeist aus einer der reinsten (deutschen) Quellen zn erfrischen undseinen Charakter an einein der erhabensten Musterbilder hiuauf-zuranken.
Lessin gs Schriften enthalten richtig Gedachtes, und ausihnen lernt man — was weit mehr ist — das Denken, indemder Verfasser die Gedanken so produziert, wie sie entstehen.
Ich begnüge mich damit, einige Schlußbetrachtungen dervorstehenden Skizze anzureihen.
Der Einfluß der Zeit, in der ein Werk, es gehöre zu einerGattung, welche es sei, entsteht, auf es selbst, ist so bekannt undeinlenchteud, daß es namentlich über den Zeiteinfluß aus päda-gogische Werke mir weniger Worte bedarf. Soll ja gerade dieJugend dieser Zeit erzogen werden; folglich müssen die Ideenüber ihre Erziehung derselben entsprechen, und das ist nur dannmöglich, wenn der Autor die Bedürfnisse und die Ideen der Zeitbegriffen und gewürdigt hat. Es fehlt zwar nicht an Beispielenvon Anforderungen an die Erzieher und an Ratschlägen für sie,welche eher für vergangene Jahrhunderte als für Gegenwart undnächste Zukunft passen; aber dann gehen sie auch inehr oderweniger spurlos vorüber. Wer in die Zeit eingreisen will, innßsich an die bewegenden Faktoren derselben anschließen. Zu de»bewegendste» Faktoren aber gehören die Meinungen und Ideender Zeitgenossen. Aus der Zusammeustimmung pädagogischerVorschläge mit ihnen erklärt sich die günstige, aus ihren: Wider-streit mit ihnen die ungünstige Aufnahme, welche das urteilsfähigePublikum neuen Ideen zuteil werden läßt. Ja, aus der Be-schaffenheit einer Zeit läßt sich nur manche pädagogische Er-scheinung begreifen.
Man denke z. B. an Rousseaus Emil. Ohne die Ver-schrobenheit und Unnatur in dem Leben und Treiben seiner Zeit-genossen wäre der geniale Mann zur Schöpfung dieses „Natur-evangeliums" nicht gekommen; nur in ihnen flnden die zahl-reichen Paradorieen seiner Gedanken, nur in dein Abscheu gegen