Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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und der despotisierenden Strenge hold, wie die Schulgeschichtean den altenOrbilen" undSchlagharten" beweist; wo mansich zur Vernunft- und Humanitätsreligion bekennt, da freutman sich, wem: das Kind aus Einsicht in die Vernünftigkeit derihm gegebenen Vorschriften und des Erziehers überhaupt gehorcht,und man ist einer humanen Behandlung zugethan. Kurz: dieReligion eines Menschen übt auf seine pädagogischen Grundsätzeund Verfahrungsweisen den entschiedensten oder entscheidendste»Einfluß aus.

Wir fragen daher auch noch nach der Religion Lessin gs,und was daraus für die Pädagogik, die er für die richtige hielt,folgt. Wir wollen seinenNathan" aufschlagen. Es genügt,einige Sätze aus demselben auszuziehen.

Der Christen Stolz ist: Christen sein, nicht Menschen?"

Sind Christ und Jude eher Christ und Jude als Mensch?Ach, wenn ich einen mehr in euch gefunden hätte, dem es genügt,ein Mensch zu sein!"

Viel tröstender war mir die Lehre, daß Ergebenheit inGott von unserm Wähnen über Gott so ganz und gar nicht ab-hängt."

Ein (echter) Mann bleibt da nicht stehen, wo der Zufallder Geburt ihn hingeworfen; oder wenn er bleibt, bleibt er ausEinsicht, Gründen, Wahl des Besseren."

Wie Geld in Sack, so strich' man Wahrheit ein?"

Ihr (Nathan, der Jnde) seid ein Christ, ein bess'rer Christwar ine."

Ich breche ab. Diese einzelnen Sätze sollen nur als einzelneTöne das große Konzert desNathan" nr dem Leser wach rufe».Denn ich setze voraus, daß das Werk, welches Gervinus fürdie schönste Frncht der theologischen Streitigkeiten Lessin gsund nebst demFaust" für das edelste Produkt deutsch-nationalenGeistes erklärt, von jedem Lehrer gelesen und genossen worden.Einfache Menschennaturen hat es von jeher entzückt und gehoben.Die Parabel von den drei Ringen, obgleich dem Stoffe nachentlehnt, ist ganz des Lessingschen Geistes würdig; sie enthältseine Grundausicht und Überzeugung.

Man kann es kurz sagen: