Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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mit welchen er selbst hat sehen wollen. Ja, in gewissen Jahr-hunderten ist der Name Ketzer die größte Empfehlung."

Summa: der Haupt- und Kerngedanke der großen Abhand-lung ist kein anderer als der, daß die Offenbarung als Er-ziehungsmittel der Menschheit aufznfassen, d. h. als naturgemäße,von innen heraus wirkende, unaufhörlich fortschreitende Ent-wickelung zu betrachten sei.

Mit den pädagogischen Ideen hängen die religiösen aufdas innigste zusammen. Jene sind in der Regel die Resultatevon diesen. Die Religion beschäftigt sich mit den höchsten Ideen;sie sind daher von Einfluß auf die pädagogischen. Mit derReligion ändert sich jedesmal die Pädagogik. Menschen auf ver-schiedenen religiösen Standpunkten können sich daher nicht zueinerlei Pädagogik bekennen. Kennt inan die religiösen Grund-sätze eines Mannes, den Inhalt seines Glaubens über die un-sichtbaren Dinge und seine Meinung über die Art der Entstehungihrer Kenntnis, so kann man daraus, wenn anders der Manukonsequent ist, auf seine dirigierenden pädagogischen Grundsätzeeinen sicheren Schluß machen. Der Autoritätsglaube diktiertdas Autoritätsprinzip in der Erziehung; der Vernunftglaube be-günstigt oder erheischt das eigene Prüfen und Forschen in Sachender Religion. Wer die Religion als gegeben betrachtet, wird sieauch seinen Schülern geben; wer sie als ein Produkt desmenschlichen Geistes und des geschichtlichen Fortschrittes derMenschheit betrachtet, wird ihren rationalen Inhalt aus demmenschlichen Geiste zu entwickeln sich bemühen. So bedingt undbestimmt die Art des religiösen Glaubens eines Menschen nichtnur den Inhalt der Religion, sondern auch die Form und dieMethode des Religionsunterrichts. Der Leser braucht, um sichdiese Verschiedenheit zur Anschauung zu bringen, nur an die oftvon mir dargestellten Gegensätze:

Autorität und freie Forschung Supranaturalismus undRationalismus Katholizismus und Protestantismus u. s. w.zu denken. Ja, selbst auf die Disziplin hat die religiöse Welt-anschauung entschiedenen Einfluß. Wo das Autoritätsprinzipunbedingt herrscht, da ist man in der Erziehung nicht bloß demGehorsam der Kinder, sondern auch dem blinden Gehorsam