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In diesen wenigen Sätzen steckt eine ganze Summe päda-gogischer Maximen.
a. Man darf dem zn erziehenden Menschen (dem Kinde)Wahrheiten mitteilen, zn deren Auffindung er die Kraft nochnicht besitzt.
b. Es dürfen keine „Wahrheiten" fein, die er niemals znbegreifen imstande ist.
o. Mitgeteilte, nicht selbst erworbene Wahrheiten müssen be-griffen, müssen in „Vernunftwahrheiten" ausgebildet werden;sonst verfehlt die antizipierende Mitteilung ihren Zweck, die Mit-teilung würde schaden, statt zn nützen, würde die Entwickelungder Vernunft unmöglich machen.
ci. Die Mitteilung solcher Wahrheiten hat den Zweck, daßsie schneller begriffen, fester begründet werden. Wo dieses nichtder Fall ist, wo man befürchten muß, daß sie das Begreifen ver-zögert, daß sie die Thätigkeit der Vernunft schwächt, wie esoffenbar bei der Mitteilung aller an und für sich unbegreif-lichen „Wahrheiten" der Fall ist, da muß sie unterbleiben.
6. Lessing spricht in betreff dieser Mitteilung von „können",sie ist gestattet, Gründe sprechen nicht unbedingt dagegen, er sagtnicht, daß sie geschehen müsse. Aus der Gesamtbeschaffenheitseines Geistes geht hervor, daß er dieses vorzeitige Anlehrenunterlassen, wenigstens keinen besonderen Wert darauf legenwürde; er macht der herkömmlichen Gewohnheit eine Konzessionoder Akkommodation, ohne sie als eine zn beachtende Regel auf-zustellen; der Accent liegt in dem Verlangen der Ausprägungaller mitgeteilten Wahrheiten in Ver nunstwahrh eiten.
k. Sein Hauptgedanke ist der: nichtbegriffene Sätze, auchwenn sie Wahrheiten enthalten, nützen dem Menschen nichts,sondern sie schaden — das ist seine Meinung, wie man aus demvom Rechenmeister hergenommenen Beispiel erkennt. Die „mit-geteilten" Wahrheiten müssen vom Geiste so bearbeitet werden,daß sie als selbsterworbene anzusehen sind und den gleichen Wert,den gleichen Einfluß wie diese, haben. Was den Menschen bildensoll, muß sein Eigentum, muß durch eigne Kraftanstrengung seingeistiges Eigentum geworden sein. Es kommt auf die Bildung