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4 (1891)
Entstehung
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richtet, überhaupt kein Freund* erwarten, so treten dochwichtige Momente seiner Pädagogik deutlicher hervor, auf diemir daher nunmehr unser Augenmerk richten.

1)Erziehung giebt dem Menschen nichts, was er nicht aussich selbst haben könnte; sie giebt ihm das, was er aus sich selbstkönnte, nur geschwinder und leichter."

Durch diesen Satz wird die Erziehung des Menschen als einnatürlicher Prozeß, als Entwickelung der Anlagen auf natürlichemWege durch ihr zu Grund oder in der Menschennatur liegenden(ihr immanenten) Triebe und Strebungen dargestellt, und derabsichtlichen Erziehungsthätigkeit die Rolle einer Naturhilfe an-gewiesen. Der Gedanke einer Verdorbenheit der menschlichenNatur** und die ans ihm entstehende wüste Vorstellung einerUmkehrung derselben findet sich nicht in Lessings Geist. Er-ziehung ist ihm Unterstützung und Förderung des Triebes undDranges nach freier Entwickelung, des naturgemäßen Entwicke-lungsprozesses.

2>Vernunftwahrheiteu können als unmittelbare geoffenbarteWahrheiten eine Zeitlang gelehrt werden, um sie geschwinder zubegreifen und sie fester zu gründen."

Die Ausbildung geoffenbarter Wahrheiten in Vernunst-wahrheiten ist schlechterdings notwendig, wenn dem menschlichenGeschlechte damit geholfen werden soll; sie wurden geoffenbart,um Vernunftwahrheiteu zu werden. Sie waren gleichsam dasIMcit, welches der Rechenmeister seinen Schülern voraussagt,damit sie sich im Rechnen einigermaßen darnach richten können.Wollten sich die Schiller an dem vorausgesetzten IMvit begnügen,so würden sie nicht rechnen lernen und die Absicht, in welcherder gute Meister ihnen bei ihrer Arbeit einen Leitfaden gab,schlecht erfüllen."

* Seine Ansicht ist aus dem einen Ausspruch zu erkennen:

Ich habe noch immer die besten Christen unter denen gefunden, dievon der Theologie am wenigsten wußten."

** DieErbsünde" ist nach ihm nichts anderes, als die überwiegendeSinnlichkeit in dem ersten Lebensstadium, d. h. die Unmöglichkeit, in der-selben moralischen Gesetzen zu folgen.