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4 (1891)
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zuschrieb, und er versichert, daß er, ungleich dem Genie,allesdurch Druckwerk und Röhren aus sich Herauspumpen oder Her-auspressen" müsse. Keinem seiner Zeitgenossen wäre es so leichtgewesen als ihn:, sich zum Haupte einer Schule aufzuwerfen;aber er war ein Feind der Coterien und Cliquen, auch derlitterarischen.

Als Gegner war er furchtbar. Im Dienste der Wahrheitund Überzeugung, mit berechnender, ruhiger Überlegung, gebrauchteer gegen seine Gegner die Waffen der Dialektik, der Satire unddes Spottes. In seinen Streitschriften gegen die Klotze undGöze, deren Namen zu Spottnamen geworden, findet man jetztnoch ein Arsenal der schärfsten Waffen. Aber in dem Kanon,den er über die Handhabung der Kritik aufstellte, von der erüberhaupt mit Recht die schönsten Erfolge für die Auffindungder Wahrheit erkannte (er suchte siestreitend", und er meintedaher, des Kampfes um die Wahrheit könne nicht zu viel sein),entdeckt man die Besonnenheit und Charakterstärke des Mannes:

gelinde gegen den Anfänger; mit Bewunderung zweifelnd,mit Zweifel bewundernd gegen den Meister; abschreckend und po-sitiv gegen den Stümper; höhnisch gegen den Prahler, und sobitter wie möglich gegen den Kabalenmacher." Kurz: Lessingwar im Sinne Goethes ein Mensch, ein ganzerMensch, ein ganzer Mann, ein ganzer Kämpfer. -

Diese Andeutungen reichen für den Kenner des LessingschenGeistes und Charakters hin, um sich sein Bild in Lebendigkeitvorzustellen, reichen hin für alle die, welche das, was Fr. Schlegel,Schick, Danzel, Guhrauer, Schwarz u. a. über ihn ge-sagt, gelesen haben; da ich aber für Personen schreibe, bei welchendiese Voraussetzung nicht überall zutrifft, so ergehe ich mich nochin einigen Ausführungen, mit Benutzung einiger Stellen vonandern, namentlich von Schwarz.

Les sing war ein echter, wahrer Protestant; man brauchtnur die Züge seines Charakters zu summieren, und man hat einEremplar des Protestantismus vor sich. Seines Charakters!Denn von der schiefen und gemeinen Meinung wird man sich dochwohl befreit haben, daß inan durch die Annahme des Glaubens-