321
Die Lehrweise oder die unterrichtliche Behandlung einesGegenstandes wird, abgesehen von der Berücksichtigung in-dividueller Beschaffenheit der Schüler, bedingt durch die Naturdes Gegenstandes und die Art, wie der Mensch auf natürlichemWege zur Kenntnis desselben gelangt.
Überall ist der Mensch von Naturerscheinungen umgeben;sie ereignen sich vor seinen Augen.
Diese hat er also zu öffnen, mit Absicht wahrzunehmen,das Wahrgenommene zu merken, die Aufeinanderfolge der Er-scheinungen festzuhalten, das Gleiche in einer Reihe ähnlicherErscheinungen zu fixieren, um nicht bloß die einzelnen Thatsachen,sondern Regel und Gesetz, nach welchen sie erfolgen, kennen zulernen, und zuletzt auf das Auffinden der versteckten Ursachen zuspekulieren.
Die Physik gehört zu den induktiven Wissenschaften, d. h.zu denjenigen, in welchen man mit der Kenntnis der einzelnenThatsachen beginnt, aus ihnen die Regel und das Gesetz desVorganges abstrahiert und demnächst in umgekehrter Ordnungaus den Ursachen und Gesetzen die Erscheinungen abzuleitenvermag.
Der Gang, den die Natur der Physik — wie ihre Geschichte— vorschreibt, ist daher der von Beobachtung und Erfahrungaus zu Regel und Gesetz, womöglich fortschreitend bis zur Ur-sache (der sogenannte regressive Lehrgang).
5) Welches ist das Ziel dieses Unterrichts?
Die Kenntnis der wesentlichsten Erscheinungen, von welchender Mensch umgeben ist, das Verständnis derselben, die Befähigung,in einfacher Weise ihre Ursachen anzugeben, sie zu erklären.
Von der höchsten Bedeutung ist dabei die Kenntnis derWitterungsverhältnisse, und wir befielen dieselbe daher absichtlich.In betreff der Ursachen verlangen wir daher, um diesen wichtigenGegenstand im einzelnen zu bezeichnen, von den: aus der Schuletretenden Schüler die richtige Beantwortung folgender Fragen:
Wie ist der Verlauf der Wärme (der Temperatur der Luft)in den einzelnen Monaten des Jahres? Welches ist ihr Maximumund Minimum in unfern Gegenden, wann pflegen sie einzutreten?
Diesterweg, Ausgew. Schriften. 2. Aust. III. 21