Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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eingesehen wird, solange kommen mir in dein Religionsunterrichteüber den, in allen andern Unterrichtsgegenständen bereits glücklichüberwundenen Gedächtniskram nicht hinaus. Und eben so-lange werden wir nns vergebens danach sehnen, die jetzigen kirch-lichen Parteischulen in wirkliche Religionsschulen nnd Menschen-bildungsanstalten verwandelt zu sehen. Wir waren auf demWege dahin; das leider Gottes wieder erneuerte, kirchliche Partei-weseu will uns aber davon verdrängen. Es ist nicht unwahr-scheinlich, daß eS hier und da gelingen wird. Jedenfalls wird eszum Rachteil der Jugeudbildung, zum Nachteil für die religiöseGesinnung geschehen. Nnr die freuen sich darüber, welche wirk-liche Religiosität mit kirchlichem Eifer verwechseln. Am deut-lichsten erkennt man dieses an andern Ländern, z. B. an Hollandund Irland. Dort existierten seit langem gemeinschaftlicheSchulen für die Kinder von Eltern verschiedener Konfessionen,nnd die allgemeine Erfahrung liegt darüber vor, daß dadurchdie Verträglichkeit, die Eintracht und die Liebe und folglich diepraktisch-religiöse Gesinnung wächst. Hier (in Irland) wirdbereits die Hälfte aller Kinder in denNationalschulen" unter-richtet, und alle religiösen Geistlichen, die nicht zu den Eifererngehören, haben sich dieser Einrichtung gefreut. Neuerdings aberläuft man gegen solche pädagogischen Fortschritte Sturm.Diese und die damit verwandten Ansichten pflegt die klerikalePartei, die auch unter den Büreaukraten ihre Anhänger hat, nnsder trübsten Quelle, dem Jndifferentismus oder gar dem Hassegegen Religion nnd Christentum, abzuleiten. Es ist zu allenZeiten so gewesen, und man muß es sich gefallen lassen. Jedeaus positive Satzungen verpflichtete Partei beschuldigt die andereder Irrlehre und der Ketzerei. Mag es im Leben geschehen; daßaber solche Verirrungen nicht in die Schulräume eindringen nnddaß in den Schulen dazu nicht der Grund gelegt werde: das isteine der obersten Pflichten jedes erziehenden Lehrers. Unserepädagogischen, ans Nachdenken nnd Erfahrung ruhendenÜberzeugungen werden wir uns nicht rauben lassen.