Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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Unterschied bleibt, daß die Gegenstände, die wir der Kategoriedes fertigen Seins unterstellt haben, dem Geiste zu Airfang alsfertig-vollendete vorliegen und er aus der Beschaffenheit ihresSeins auf die Art des Gewordenseins zurückspekuliert,während er bei den prinzipiell-konstruierbaren Gegenständen mitden einfachsten Elementen beginnt und mit ihnen den Bau auf-führt. Der Unterschied ist, um ein Bild zu gebrauchen, der:dort steht ein fertiger Palast, ein Ppramidenbau, vor dem Auge man untersucht seine Beschaffenheit und denkt darüber nach,wie er entstanden ist; hier führt man mit einfachen Baumate-rialien den Palast selbst auf. Im ersten Falle hat man es alsomit dem Begreifen des Gegebenen und höchstens mit dem Nach-sinneu über die Art des Entstehens, was für Kräfte dabei ge-wirkt haben und nach was für Gesetzen gearbeitet worden ist,zu thun; im zweiten Falle setzt man die erzeugenden Kräfte selbstin Bewegung, man läßt sie nach den ihnen immanenten Gesetzenwirken und erzeugt selbständig und mit Bewußtsein die Produkte.Bei den Gegenständen der ersten Art wird man sich bei derUnkräftigkeit der Jugend damit begnügen müssen, daß sie dieEigenschaften der fertigen Objekte anffaßt und die Gesetzmäßig-keit derselben erkennt, oder auch die Anwendung der gefundenenGesetze und Regeln versucht; aber die Untersuchung über dieArt ihres Gewordenseins wird in der Regel den Gelehrten über-lassen bleiben müssen.

Diese Bemerkungen wollen wir an der Sprache undMathematik näher erläutern.

Der Schüler soll eine Sprache erlernen, eine lebende odertote, gleichviel. Jedenfalls liegt sie als ein fertiges, von anderengestaltetes, nicht von ihm zu erzeugendes Wesen vor ihm einfertiger^ Palast.

Er lernt den Sinn der Wörter, die Veränderungen der-selben, den Satzbau kennen; er lernt, d. h. er bringt sich dieEigenschaften der Sprache zum Bewußtsein, er erkennt die in ihrausgeprägten Gesetze, die aus ihnen folgenden Regeln für denGebrauch, und er wendet sie an. Erkenntnis und Anwendungsind die Operationen des dabei thätigen Geistes. Wie die