Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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daher zuerst von der anerschaffenen, dann von der offen-barten Sprache.

Für die anerschaffene Sprache spräche, könnte man sagen,die Wunderbarkeit, Vollendetheit und Schönheit der Sprache, siekönne daher, möchte man bei erster Betrachtung denken, für keinWerk des gebrechlichen Menschen erachtet werden. Gott werdeden Erstgeborenen doch auch nicht stiefmütterlicher behandelthaben als die Tiere, welche sich laut vernehmen lassen und selbstin den Urzeiten, wie z. B. Bileams Eselin, mit dem Menschenmenschlich gesprochen hätten.

Die Laute der Tiere aber, erwidert der Verfasser, sindEmpfindungslaute, und ihre Sprache, wenn man sie so nennenkann, ist unveränderlich.Ein Hund bellt noch heute so, wie erzu Anfang der Schöpfung boll." Das An geschaffene hat,m ei l es ang esch affen ist, unverti lgbaren Charakter*.

Die Tiersprache steht demnach in einem unmittelbarenGegensatz zur Menschensprache; jene ist unveränderlich, dieseändert sich. Was einem gelehrigen Tiere angeeignet worden,geht mit seinein Tode wieder verloren, und es selbst kehrt gernzu seiner Natürlichkeit wieder zurück; der Mensch vererbt dieSprache auf die Nachkommen, das Kind spricht so, wie dieMutter. Ein französischer Jüngling, von deutschen Eltern er-zogen, spricht deutsch, die Sprache war ihm nicht angeboren.Ein deutsches Kind sprach vor 500 Jahren anders, als eindeutsches Kind jetzt spricht. Die Besonderheit jeder einzelnenSprache ist abhängig von Raum und Zeit. Aus der Ver-schiedenheit dieser Verhältnisse läßt sich die Mannigfaltigkeit undAbweichung der Sprachen selbst der einem Quell entstammtenVölker begreifen. Tyroler und Friese verstehen einander heut-zutage kaum noch, obgleich ihre Urväter nahe zusammen ge-stände!: **. Resultat:

* Herders Abhandlung ist reich an den interessantesten Bemer-kungen. So macht er die:

je schärfer die Sinne der Tiere und je wunderbarer ihre Kunstwerkesind, desto kleiner, beengter, unüberschreitbarer ist der Kreis ihres Wirkens.Die Menschen stehen in angeborenen Fertigkeiten den Tieren nach; dadurchbekommen sie einen Vorzug der Freiheit".

**So wenig als es zwei Menschen ganz von einerlei Gestalt und