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Der gewissenhafte Lehrer hütet sich daher zu sagen: weildies oder das passiert oder geschehen ist, so ist dies oder das,was auf einem anderen Gebiete liegt, wahr. Er sagt diesesnicht, weil er es nicht denkt; oder, wenn er es denken zukönnen meint, so muß man ihm sagen, daß er Ungedanken denkt.Geschichtliche Ereignisse stehen mit Vernunftwahrheiten in keineminneren Zusammenhänge. Durch jene können diese weder er-wiesen, noch widerlegt werden. Dazu kommt noch für den ge-wissenhaften Lehrer der Gedanke, daß geschichtliche Begebenheitenberichtet, oft von Nicht-Augenzeugen erzählt werden, daß sie derfalschen Auffassung, der Verfälschung unterworfen sind, daß sieerdichtet sein können. Einem denkenden Manne wird es dahernicht einfallen, ewige Vernunftwahrheiten auf zufällige Ereignisseoder Nachrichten zu stützen. Jene haben den Grund ihrer Gewiß-heit in, nicht außer sich. Wer sie auf äußeren Boden stellt,stellt sie auf schwankenden und wankenden Grund. GeschichtlicheAutorität ist die unsicherste aller Arten von Autorität. WerVernunftwahrheiten durch Geschichte beweist, muß es sich gefallenlassen, wenn jene mit dieser umgerissen werden. Wie nahe liegtdann der Schluß: wenn demnach dieses nicht geschehen ist, so istauch jenes nicht wahr! — Das Christentum hat seine Wahrheitin sich und behält sie, auch wenn diese oder jene Geschichte sichals unhaltbar erweisen sollte.
Ich empfehle diese kurzen Wahrheiten* dem Nachdenken derLeser und bitte sie, das gewöhnliche Verfahren der Geistlichenund Lehrer damit zu vergleichen. Sie setzen über den „breiten Graben"zwischen Geschichte und Vernunft kühn hinüber, den ein Lessingnicht zu überspringen vermochte. Was braucht sich ein Gläubigerum die Eiuwürfe des Irrlichtes, Vernunft genannt, zu kümmern?
4) Und nun frage ich schließlich die Lehrer, was sie vonmeinem Religionsunterrichte halten, durch welche Prädikatesie denselben charakterisieren?
* Von dem auch leider noch immer vorkommenden Verfahren, welchesoffenbare Schlechtigkeiten und Laster an biblischen, „heiligen" Personen,nicht bloß nach dem Standpunkte ihrer Zeit zu beurteilen, sondern auch zurechtfertigen sucht, braucht nicht die Rede zu sein; diese Unlauterkeit undWahrheitsscheu richtet sich selbst.