Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
275
Einzelbild herunterladen
 

275

ihnen. Das Wort erweist sich aber dabei ohnmächtig, oder esist sogar eine Lüge.

Warum trennt man die Kinder der Eltern von verschiedenenKonfessionen voneinander? Etwa, weil man ihnen die religiöseBildung in unserm Sinne geben will? Mit Nichten; unsre Be-trachtung hat uns auf den Unterschied der Konfessionen gar nichtgeführt. Nein, man will die Kinder für konfessionelle Bekenntnisseund für das Kirchentum erziehen. Verlangen das die Ettern,gut; aber hier ist von dem, was an sich gut oder das Besserewäre, also sein und angestrebt werden sollte, die Rede.

Schon dadurch, daß man die Kinder voneinander absondert,giebt man dem einen oder andern Bekenntnis den Vorzug; schondadurch pflanzt man den Kindern die Meinung ein, sie hättendenbessern Glauben", die andern den schlechtern, womit dieKinder, da man ihnen (Gott sei gedankt!) nicht weismachenkann, daß das Glauben an sich verdienstlich sei, notwendig denGedanken verbinden, daß auf ihrer Seite auch die besseren, aufder andern die schlechteren Menschen zu finden seien. Ich willnicht davon reden, daß sich auch wohl fanatische Pfaffen bei-gehen lassen, den Samen des Hasses gegen Andersdenkende ab-sichtlich in die Seelen der Kinder zu säen und sie dadurch zuvergiften; aber daß die Absonderung der Kinder nach dem Be-kenntnis der Eltern weder von dem Zwecke der religiösen Bildung,noch von den Eigenschaften, die das gesunde bürgerliche Lebenvoraussetzt, verlangt werde, das, sollte ich meinen, liege aufflacher Hand. Die Leser erkennen, daß ich hier mein Stecken-pferd: die Nationalschnle statt der Konfessionsschule, berühre,und daß ich an die Wirkungen jener für nationale Erziehung,für innere Einheit und Harmonie der Vaterlandsgenossen unddadurch für die Kraft lind Stärke nach außen denken muß; aberich gehe daran vorüber.

3) Die Geschichte i st der Ausgangspunkt-ist sieauch das Höchste? Nein! Ich muß daher vor einemmöglicheil Mißverständnis noch warnen.

Es giebt Lehrer, welche die Geschichte die Geschichte desChristentums vergöttern, in der Meinung, daß seine Ge-schichte das Christentum sei. Die Geschichte ist aber nur die

18 *