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3 (1891)
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2) Genügt unsre* religiöse Bildung den Anforderungen der

religiösen Gesinnnng und den Anforderungen des Lebens?

Ich muß dieses noch extra fragen.

Der religiösen Gesinnung?

In ihr tritt der Mensch dem Menschen gegenüber, er um-faßt ihn mit Gerechtigkeit und Liebe, er beurteilt dessen Wertnach dem, was er in Wahrheit ist.

Das äußere Bekenntnis kommt nicht in Frage. Wo es derFall ist, da ist die religiöse Gesinnung schon verfälscht.Ab-sonderlich für die Glaubensgenossen" zu beten, ist mir daherstets als etwas Irreligiöses erschienen. Von dem, derseinenGlauben" für den besten hält, sollte man, wenn er die Menschenliebt (und das sieht man doch als die Substanz der wahrenReligion, der christlichen, an), gerade das Gegenteil erwarten.Denn die, die denrechten Glauben" noch nicht haben, bedürfendoch am meisten der Hilfe Gottes.

Die religiöse Gesinnung kennt nichts Exklusives. Wir kennenauch nichts der Art, wir wirken demnach für die Bildung derwahren religiösen Gesinnung.

Den Anforderungen des Lebens?

In ihm kommt es auf die religiöse Gesinnung, auf sittlicheBeschaffenheit und bürgerliche Tugenden an. Nach ihnen wähltsich der Alaun des Lebens seinen Kreis; er fragt nicht nach demkirchlichen Bekenntnis, oder, wenn er es thut, so ist er ein ver-schrobener Kopf. Denn nur ein solcher glaubt oder läßt sichmeismachen, daß es nur unter Bekennern seines Glaubensrechtschaffene und fromme Leute gäbe. Wer weiter sieht undErfahrungen hat, weiß es anders.

Das Leben verlangt Gerechtigkeit, Wohlwollen, bürgerlicheGleichheit, Eintracht folglich verlangt die Erziehung fürs LebenErziehung zu diesen Eigenschaften.

Werden diese unsrer Jugend in den Konfessionsschulen an-geeignet?

Den Worten nach ist es möglich, die That widerspricht

* Es ist unwillkürlich geschehen, daß ich in den Plural verfalle. DerSingular paßt zu meiner Stimmung nicht. Also auch hier Wahrheit.