Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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denken, wenn sie einen zum Katholiken oder zum Protestantenmachen, hätten sie ihn auch zum Christen, zum wahrenMenschen gemacht. Kirchentum geht ihnen über Religiosität,oder ist ihnen eins mit Religion, Religion ohne Kirchentum istihnen Chimäre. Wir ineinen und hoffen, in unsrer Weise reli-giöse, auf das Höhere gerichtete, harmonisch gebildete, einheitliche,ganze und wahre Menschen au das Leben abzuliefern. WelchemKirchentume sich dieselben anschließeu, das ist kein Gegenstandunsrer Sorge. Kirchentum ist Form, nicht Wesen und Kern,also wechselnd wie die Zeit und die Menschen. Jeder wähledie i h m zusagende Form! Folglich darf uns die gestellte Frage,sie möge bejaht oder verneint werden, nicht kümmern. Wirbleiben aus dem pädagogischen Standpunkte und verteidigen ihn.Eben deswegen (auch eben deswegen) weisen wir den Einflußder (konfessionellen, auf irgend einem Parteistandpunkte stehenden)Geistlichen auf Erziehung und Bildung der Jugend in denSchulen zurück; sie haben damit nichts zu schaffen. Will eseine Schulgemeinde, nun gut, die Eltern haben darüber zu ver-fügen; prinzipiell aber gebührt ihnen kein Einfluß, und es stehtzu hoffen, daß die Eltern so weit kommen, Erziehung und Schuleaus dem pädagogischen, nicht mehr, wie bisher, aus konfessionell-kirchlichem Standpunkte zu betrachten. Die vernünftigsten, ge-bildetsten, fortgeschrittensten Menschen stehen auch bereits aufdiesem Standpunkte. Wenn man sie nur gehen ließe, wenn sienur nicht von fremdem Einfluß von seiten der Kirche wie desStaats berührt würden, wenn sie sich nur frei versammeln undberaten dürften! Dann würde die Wahrheit schon herauskommen,daun würde man inne werden, ob die Eltern ihre Kinder für.erklusive Kirchlichkeit erzogen wissen wollen; ob sie es billigen,daß man, wie in Kurhessen, von den Lehrern, selbst den Gym-nasiallehrern, das Versprechen erzwingt, kirchlich-konfessionell er-ziehen zu wollen.

Unsre (die beschriebene) religiöse Gesamtbildung entspricht,nach unsrer Überzeugung, nicht bloß der Menschennatur, derreligiösen Grundanlage derselben, dem Wesen aller wahrenReligion, sondern auch den Anforderungen und Bedürfnissen des