255
empfangen hat, mit dem Höheren in Bezug, nichts ist davon aus-geschlossen.
4. In der religiösen Bildung des Menschen sind folgendeMomente zu unterscheiden:
a) das eigentlich religiöse, die religiösen Vorstellungenund Begriffe, die religiösen (sich auf Gott beziehenden)Gefühle, die religiösen Handlungen;
5> das sittliche, dem ersten nahe verwandt, das sich aufdas rechte Verhältnis des Menschen zum Menschen bezieht,welches daher aus dein ersten, oder auch, und zwar besser,aus selbständiger Wurzel abgeleitet werden kann. BeideBetrachtungsweisen sind richtig, jedenfalls schließt sich inder durchgreifend gewordenen religiösen Bildung des Menschendas zweite mit dem ersten zu einer Einheit zusammen;
o) das ästhetische Moment, das Schöne, die Liebe zumSchönen, die Darstellung des Schönen, besonders des schönenMenschenlebens.
In der universalen religiösen Bildung haben wir also bei-sammen das Wahre, das Gute, das Schöne.
Das Wahre ist Nummer eins, dc^er der Sinn der religiöszn bildenden Jugend überall zuoberst und zuerst auf das Wahrezu lenken; die Sehnsucht nach der Wahrheit, nach der absolutenWahrheit, nach der ganzen Wahrheit, nach nichts anderem alsnach der Wahrheit, ist der alles andere beherrschende Trieb indem religiösen Mensche». Das Wahre ist auch das Gute; nichtsist gut, was nicht auch wahr ist; das Wahre ist auch das Schöne,das Höchst-Schöne; nichts ist schön, was nicht wahr ist.
Alle Wahrheit ist entweder Wahrheit der Natur oder Wahr-heit des Geistes, des Natur- und des Menschenlebens und Seins.Da nun beide von dem Schöpfer herrühren, so ist im eigentlichen,wahren Sinne des Wortes jede Wahrheit göttliche Wahrheit,keine einzige ist davon ausgeschlossen; sonst wäre ja auch einereligiöse Einheit des Menschenlebens eine Illusion.
Daraus folgt, daß jeder Nnterrichtsgegenstand in seinerWesenheit (ohne alle weiteren Beziehungen, Wendungen, Tendenzen,Absichten) in dem Dienste der religiösen Bildung steht, daß jeder,