Das Konfessionelle schließt das allgemein Menschliche aus,oder wenn es das nicht thut, so ist es mit diesem identisch, undes heißt dann mit Unrecht das Konfessionelle. Man kann einKatholik werden und ist doch noch kein Christ; man kann einProtestant werden und ist doch noch kein Christ; man kann einJude werden und ist doch noch kein Mensch. Die weise Lehrerin,die Geschichte, erweist dieses. Die Katholikei: haben als solche,die Protestaiüen haben im Namen des Protestantismus und vonihm getrieben, und die Juden haben als Juden nicht selten alswahre Unmenschen, jene also auch gewiß als Nicht-Christen ge-handelt.
In dem Konfessionellen, das hier, wie billig, historisch zuverstehen ist, liegen Momente, die das direkte Gegenteil von deinChristlichen und Menschlichen sind. Darum verwerfen wir esfür die religiöse Bildung der Jugend und fordern, daß sie ansdas Allgemein-Menschliche gerichtet werde und bleibe.
3. Eben darum, und weil durch sie die Bildung des ganzenMenschen befördert oder erreicht werden soll, liegt in ihr dasAugenmerk der Entwickelung und Kräftigung aller Anlagen desMenschen, besonders deckHöheren, und jedes Bildungsmittel hatseinen Beitrag zu'liefern zu der allgemeinen Bildung, die wirdie religiöse genannt haben. Welchen Beitrag jedes einzelneliefert, und daß dieses der Fall ist, wird daraus hervorgehen, wennwir das Wesen der allgemeinen Bildung näher charakterisieren.
Die höheren Kräfte des Menschen sind der Verstand (dieVernunft, die Intelligenz), das Gefühl, der Wille.
Die Religion hat es mit der inner,: Erregung dieser Kräftezu thun, mit den: Fundamentalen derselben, mit der ganzen inner-lichen und innerlichsten höheren Natur des Menschen, deren Ein-heit und innerste Wesenheit ich mit Fleiß das Gemüt nenne.
Die religiöse Bildung ist in diesen: Sinne wesentlich Gemüts-bildung, die Richtung des ganzen inner:: Menschen als erkennen-des, fühlendes und begehrendes Wesen auf das Höhere, wodurchdie Einheit und Harmonie alles dessen, was der Mensch denkt,fühlt und will, entsteht. Alles und jedes tritt in den: Menschen,dessen religiöses Gemüt die gehörige Lebendigkeit und Stärke