Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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wurde tiefer gefühlt, keine Idee war allgemeiner. Sie ist nichtrealisiert worden, ans bekannten Ursachen. Aber sie lebt fortund fort in dem deutschen Volke und in jeder Epoche seiner Ge-schichte wird sie wieder anftanchen, bis sie erfüllt ist. Deutsch,echt-deutsch ist das Streben nach dieser Einheit, »»deutsch, wahr-haft antinational ist das Streben, die Erreichung der Einheit zuverhindern. Alles, was diese große Idee begünstigt, ist heilsam,was sie hindert, verderblich. Nur darf sie, ich wiederhole es,nicht auf Kosten der individuellen Freiheit erstrebt werden.Ich habe gesagt, was ich für Deutsch und was ich für Un-deutsch halte. Ich sage damit nicht, was die Deutschen jetztsind und nicht sind, ich sage, was ihrer Natur gemäß ist undwas ihr widerspricht. Des letzteren ist, Gott sei es geklagt,leider nur zu viel, zu viel des undeutschen Wesens in Deutsch-land, des welschen und französischen, des romanischen Wesens.Dasselbe ist nicht ans deutschem Grund und Boden erwachsen,es stammt nicht ans deutschen Wurzeln, es ist eingeschlepptworden. Aus dem Süden und Westen ist es in Deutschlandeingedrnngen, über den Rhein ist es gekommen. Das meiste desoben als Undeutsch und Antinational bezeichnten Wesens stammtaus Frankreich. Unbegreiflich bleibt es daher, daß die Deutschenjemals glauben konnten, das Heil für ihr Land stamme ausFrankreich und daß sie sehnsüchtig nach dein schauten, was inFrankreich, in ihrer Hauptstadt passierte. Das echt-deutsche Wesenist dem echt französischen Wesen stärker diametral entgegengesetzt,als dein irgend einer andern Nation. Franzose und Deutscherbilden einen Gegensatz. Nur aus der Einsicht in die unseligeGeschichte der letzten Jahrhunderte, mir aus der Verblendungder deutschen Höfe, besonders seit Ludwig XIV. und Richelieu,ist es zu begreifen, daß französische Art und Weise, Sprache undSitte in Deutschland verbreitet werden konnten. Die Nachäffereides französischen Wesens hat der Entwickelung deutscher Art undNatur die tiefsten Wunden geschlagen; sie hat unsere Volks-tümlichkeit augefreffen, teilweise vergiftet. Dieses Gift hat zu-erst die höchsteil Stände ergriffen und ist von da in die nächstenSchichten eingedrnngen. Die deutsche Volkstümlichkeit wird