lieber sterbe, und daß ein wahrhafter Deutscher nur könne lebenwollen, um eben Deutscher zu sein und zu bleiben und dieSeinigen zu eben solchen zu bilden." —
Betrachten wir demnächst den, nach meinem Bedünken,charakteristischen Zug des deutschen Mittelalters!
Es ist der Aufschwung der Städte, in ihnen der desBürgertums.
Soviel mir bekannt, hat, außer Oberitalien, besonders derLombardei, kein Land der Welt etwas Ähnliches zu berichten.WaS sich seit hundert Jahren in Nordamerika begiebt, geschieht,mit jenen verglichen, unter zu verschiedenen Umständen, als daßhier dasselbe behauptet werden könnte.
Unter den schwierigsten Verhältnissen, unter dem Druck derUmstände, im Kampfe mit entgegengesetzten Kräften (man denkean die Macht des Feudalismus, von der Kirche unterstützt undvon ihr heilig gesprochen!) entfaltete im deutschen Mittelalterdas Bürgertum seine Kraft. Im Innern der Städte konzentriertesich dieselbe, und sie offenbarte sich sowohl in der Schöpfung dernützlichsten Arbeiten der mannigfaltigsten Art, als in der Kraftder Vereinigung miteinander zum Schlitz gegen mächtige Feindelind zur gewinnreichen Ausdehnung ihrer Gewerbe und ihresHandels. Es braucht nur a» die Blüte von Augsburg, Nürnberg,Straßburg, Köln lind vieler andern erinnert, nur das WortHansa ansgesprochen zu werden, lim dem Leser die hier vorseinen Augen sich entfaltende Kraft zu offenbaren. Die schöpferischeKraft ist es, die wir zu betrachteil haben, und in der sich injenen in dieser Beziehung glorreichen Jahrhunderten der deutscheGeist manifestierte. Sie schuf sich ihre Thätigkeit und derenProdukte, sie erfand neue Mittel, sie eröffnete sich neue Wege.Hier zeigt sich der deutsche Genius nicht nur in seiner Freiheits-liebe und Selbständigkeit, sondern in seiner schaffenden,produktiven Kraft, in der freien Arbeit. Sie erzeugteWohlstand, Behaglichkeit des Lebens und Reichtum und befestigtein der Liebe zur freien Thätigkeit und zur freieil Selbstbestimmung.Tie Städte waren frei, sie regierten sich selbst und schlossen freieBündnisse mit den Rittern und gegen sie, mit den Fürsten und