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von der Luft anwehen, suche eine Höhe, trete iu den Wald, be-trachte die Wolken, die Morgen- oder Abendröte, den Sternen-himmel oder die Wiese, den blauen Himmel, die Bäume unddie Moose n. s. m., kurz ich empfange den Eindruck der Natur.Ihn halte ich für rein; ein unmittelbares Lebensgefühl, dessenWahrheit mir sicherer, dessen Ausspruch nur wichtiger ist als diefestesten Schlüsse, sagt es mir, und ich merke seine Wahrheit undRichtigkeit an seinen Wirkungen: an der belebenden Kraft aufKörper und Geist.
An dieses Naturgefüh l halte ich den Eindruckdes zu beurteilenden Buches. Mit diesem Eindruck treteich in die Natur, ich empfange nun den Eindruck von ihr, beidesind lebendig in meiner Seele, ich halte beide zusammen: passensie, oder passen sie nicht?
In den: ersten Falle erhöhen lind stärken sie sich gegenseitig,schlagen in ein harmonisches Gefühl zusammen; im andern Fallestören und verdrängen sie sich, das mächtigere wird das Feld be-haupten; aber mail gewinnt dadurch ein Urteil über den zuprüfenden Eindruck. Was sich mit den reineil Wirkungen derNatur nicht verträgt, ist selbst der Natur zuwider, folglich ver-werflich. Ein Gedanke, eine Vorstellung, eine Idee, ein System rc.,die mir zwar in der Stndierstube annehmlich, richtig, wahr,wichtig erscheinen, aber dieser Merkmale im Freien wieder ver-lustig werden, sind nichts wert, sind Hirngespinste, Illusionen,keine Wahrheiten. Was mir angesichts der Naturwahrheit (derobjektiven, n. li. objektivsten und positivsten — undüberall wird ja Positives verlangt!) nicht «lehr wahr scheint, istselbst nicht wahr; es mag Stuben-, Schul- und Gelehrten-weisheit sein, dem gesunden Menscheil wird sie nicht einlenchten.Kurz, ich prüfe den Eindruck eines Buches und folglich das Buchselbst au der Natur, in der Luft, an der Luft. Ich setze esder Luft aus und beobachte, ob es die Prüfung an und in derLust aushält. Wo nicht, so setze ich es selbst an die Luft, d. h.werfe es weg.
Das heißt, werden die Leser vielleicht sagen, sich die Sacheleicht machen, so ist leicht urteilen!