Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
171
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Aber sie müssen bedenken, daß das Urteil nach Gründen,d. h. die Beurteilung an den Ergebnissen der inenschlichen Forschungvorhergegangen und nur noch die Rede ist von einer Probe, ähn-lich wie man auf vollzogene Rechenarbeiten die Probe macht.Ich kann es nicht leugnen, ich lege darauf Wert, ja, daß ichineine ganze Meinung sage, den höchsten. Was haben wir er-lebt? Unter anderem haben wir erlebt oder erleben müssen, daßdas einander Widersprechendste, ja das der Vernunft oderselbst den offenen Sinnen Widersprechendstebewiesen"wird. Wir haben es mit tiefem Schmerz wahrgenommen, daßdie Menschen sich nicht schämen, dieses oder jenes zu behaupten,daß sie in betreff ihrer Behauptungen alle Scham verloren haben.Dadurch ist das Vertrauen zu Beweisen verloren gegangen,kein Mensch traut den angeblichen Beweisen mehr. Was damitverloren gegangen ist und, wenn es so fort geht, vollends ver-loren geht, empfinden sittliche Menschen, aber davon kann hiernicht die Rede sein; nur danach kann gefragt werden, woranman denn, nachdem niemand vor sogenannten objektiven Beweisenmehr Vertrauen hat, das Wahre als wahr, das Falsche alsfalsch erkennen solle. Sehet, Leser, da bleiben obige Probier-steine! Die kann euch niemand nehmen, niemand: unsere Vor-stellung von dem Wesen der menschlichen Natur, ihren Forde-rungen und Bedürfnissen unsere Vorstellung von der Zeit undden:, was sie will unser Gefühl unter dem Einfluß der reinen,gottgegebeneu Natur. Durch den Gebrauch dieses Dreifachenwird mein bereits gefälltes Urteil bestätigt oder verworfen. Inletzterem Falle mißtraue ich dem Urteil selbst, ich muß mich ge-irrt haben, ich setze die Wahrheit des Unmittelbaren über dasMittelbare und Vermittelte.

Was der unverkünstelten, einfachen, wahren Natur nicht zu-sagt, ist mir verdächtig. Das gefühlsartige Urteil einer reinenweiblichen Natur steht mir höher als der künstlichste Syllogismus.Drum pflege ich die genannten drei Probiersteine zuletzt immerzur Hand zu nehmen.