kennen nieder die Natur die Kinder, noch die Gesetze der Ent-wickelung. Wer das eine und das andere kennt, weiß, daß dasKind, nämlich das gute Kind, der Unmündige, nämlich der wohl-gebildete, unerzogene Unmündige, sich nur wohl fühlt, wo er sichunter dem Schutze und unter der Leitung einer Autorität weiß,einer Autorität, die das Rechte will und ausführt; weiß, daßein Kind zum Gehorsam und in Gehorsam erziehen heißt: eszur Stärke und inner» Kraft erziehen; weiß, daß die einstige,willige und freudige Befolgung der Vernunftgesetze die Ge-wöhnung zum Gehorsam gegen die Vernunft in Vater,Mutter und Lehrer voraussetzt; weiß, daß die Erziehung inGehorsam, Ehrfurcht und Pietät nicht bloß gesunde, sondernauch starke und energische Charaktere erzeugt; weiß, daß mannicht dadurch für das Leben erzieht, daß man die Fragen desLebens in den Kreis der Schule hiueinzieht und das, was denErwachsenen interessiert und bewegt, mit den Unerwachsenen undUnreifen behandelt; sondern er weiß, daß man durch die innere,naturgemäße Entwickelung der jugendlichen Kräfte, durch derenÜbung an passenden, in der Schule zu bewältigenden Stoffen,also durch sich selbst und an sich selbst zur dereinstigen freienSelbstbestimmung und Selbstregierung erzieht. Daß letzteresdas Ziel ist und bleibt, versteht sich von selbst, alles muß daraufangelegt werden, und nur derjenige, der dieses versteht und dieseBeziehung überall im stillen vor Augen hat, ist ein würdigerLehrer dieser Zeit; aber ich muß es wiederholen und sagen:wer dieses erreichen will durch Beseitigung der Gesetze fürOrdnung und Zucht, erreichen will durch Freierkläruug unreiferMenschen, Emanzipation der Unmündigen; erreichen will durchAufhebung der von der Natur, äußerlich wie innerlich, gesetztenUnterschiede zwischen jung und alt; erreichen will durch Äußer-lichkeiten dieser oder jener Art, durch Reden, Redensartenund Phrasen, diese oder jene nachgemachten Institutionen, kurzdurch künstlich ersonnene Mittel, durch tendenziöse Richtungund Bildung, statt auf dem Wege natürlicher, die Kräfte an-regender, entfesselnder und stärkender Entwickelung, welche vonselbst, ohne irgend ein Wort, ja ohne Absicht, zu allem führt.
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