Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
158
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Recht verstanden, soll der Mensch sein ganzes Lebenlang einer Autorität folgen, und zwar als mündiger, gereifterMensch der Autorität oder dem Gesetze der Vernunft. Dafüralso ist der Mensch zu erziehen. Solange derselbe ein Kind, einSchüler, ein unreifer Mensch ist, sind Vater, Mutter und Lehrerseine Autoritäten. Und, wohl gemerkt, die ganze Schule, dieSchule als solche, soll den: Schüler als Autorität dastehen undvon den Eltern ihnen als solche dargestellt werden. Wehe derSchule, den Kindern und den Eltern, wenn diese die Schule undden Lehrer vor den Kindern und mit den Kindern kritisieren,anatomieren lind sezieren etwa in der Meinung, dadurch derenfreies Urteil zu bilden und über veraltetes Zopftum zu erheben!Die Schule soll dem Kinde eine Autorität sein, es soll sie mitRespekt und Ehrfurcht betreten und in diesen Gesinnungen undGefühlen in ihr verweilen. Der Lehrer soll ihm überhaupteine Autorität, er soll ihm daher auch eine äußere sein. Er hates gesagt er will es so haben: das ist dem guten, bravenSchüler, besonders dem Kinde, genug. Denn Vertrauen, Pietätund Gehorsam müssen in der Schule herrschen, und dieser mußaus jenen reinen und edlen Quellen fließen. Eine pietät- undzuchtlose Schule ist keine Schule, sondern eine Mördergrube.

Aber was thut der Lehrer, welcher zur freien Selbst-bestimmung und dadurch zum Prinzip der Neuzeit erziehenwill?

Allmählich sehen die Schüler das Richtige und Gute, kurzdas Vernünftige der Schuleinrichtung ein, und nun gehorchen sienicht bloß mehr aus Gewohnheit, sondern aus Erkenntnis. Aberdie Schule bleibt als Autorität stehen, für denjenigen als äußereAutorität, für welchen dieses nötig ist. Es giebt Menschen, dienicht so weit kommen, daß sie das Vernünftige vernünftiger Ein-richtungen in Natur und Staat einsehen; für sie hält mau dasPrinzip äußerlicher Autorität aufrecht. Außerdem arbeiten dieSchüler in einer Schule der Neuzeit durch alle Veranstaltungenihre Natur heraus, sie gelangen in den Besitz und zum Bewußt-sein ihrer Kräfte, sie lernen allmählich sich selbst regieren und be-stimmen. Da tritt der Lehrer mit seiner äußeren Autoritätzurück, er läßt die Gründe walten und herrschen, und er bleibt