146
Beantwortung der Frage, ob zur Befürchtung, daß die Ent-wickelung des Schulwesens und der deutschen Volksbildung auf-gehalten oder gar vernichtet werden könne, Grund vorhanden sei?
Die Geschichte einer Nation ist die Geschichte ihres Schul-wesens. Ist nun — frage Jeder sich selbst — das deutsche Volkin die Periode der Lethargie eingetreten, überlassen sich dieeinzelnen Stände und ihre Individuen der Trägheit und derVerzweiflung, oder gewahren wir eine nie gekannte Rührigkeitund Strebekraft auf allen Gebieten der inenschlichen Thätigkeit?Ist es auch nur denkbar, daß irgend eine einzelne Macht derErde diese in der Entwickelung begriffene Lebendigkeit vernichtenkönnte? Es ist nicht einmal denkbar.
Der niedergebeugte Lehrer könnte sogar seinen Blick aufdie Betrachtung seiner Standesverhältnisse beschränken und —der Akut würde wiederkehren.
Gedenke er zuerst eiires Faktums, nämlich der auf dem Ge-biete der Volksschule und des Elementarunterrichts erscheinendenZeitschriften in unfern Jahren und Tagen!
Wander hat sich einmal die Mühe genommen, in seinem„pädagogischen Wächter" sämtliche, seit drei Jahrhunderten inDeutschland erschienenen pädagogischen Blätter aufzuzählen; manhat daran doch einen Maßstab. Wie viele bringt er in diesemlangen Zeiträume zusammen? Noch nicht 200. Diese Zahl istnicht gering und sie deutet auf andauernde pädagogische Thätig-keit; aber reicht im einzigen Jahre 1852 die Zahl 50 hin, wennwir sämtliche, entweder ausschließlich oder teilweise dem Volks-schulwesen gewidmete Zeitblätter aufzähleu? —
Gedenke der entmutigtste Lehrer einer zweiten Thatsache: des„Allgemeinen deutschen Lehrervereins". Wovon giebt er Kunde?War eine solche Erscheinung in der Vorzeit auch nur möglich?Tauchte sie damals in einem einzigen Kopfe auf? —
Die Lehrer sind die Schule. Was darf inan daher, wennjene nicht Nachlassen, von dieser erwarten? — wenn dieses allesnun unleugbar wahr ist, so dürfen wir auch sagen, was daraus folgt.
Es folgt daraus, daß weder der einzelne Lehrer, noch vielweniger der ganze Stand Nachlassen darf.