145
Die moderne Elementarpädagogik fußt auf dieser doppeltenBasis und kommt so den Grundtrieben des Kindes zu Hilfe. Eswill anschauen, die Welt kennen lernen, und es will praktischthätig sein und schaffen. So wird die erste körperliche undgeistige Ausbildung durch Glieder- und Siuneuübungeu unddurch eine Reihe geist-, gemüt- und charakterbildender Spielefundiert. Die Reform der Schule geht vom Prinzipder Entwickelung und der schaffenden Thätigkeitaus. Suche darin, wer dazu Lust hat, „den Mangel an posi-tiven Grundlagen" und die Keime des „Sozialismus undAtheismus"! Die mehrhundertjährige Geschichte der Pädagogikwirft das rechte Licht auf diese Spürkuust. Was AinosComeuius mit seinem orlcks piotus, Rousseau in der erstenErziehung seines Emil, Basedow mit seinem Elemeutar-werk wollte, das haben Pestalozzi und Fröbel geleistet.Reskripte werden solche Schöpfungen nicht aus der Welt schaffen. —Haben wir Ursache zur Besorgnis, wird die Entwickelungder deutschen Schule aufgehalteu, der bisherige Fortschritt inStillstand oder Rückschritt verwandelt werden?
Gar manches deutschen Lehrers (und nicht des schlechterenMannes) Gemüt ist mit Wehmut, Niedergeschlagenheit und Ver-zagtheit erfüllt. Es gedenkt der Erfahrungen der letzten Jahre,der Hoffnungen, die das Jahr 48 hervorrief, des Verschwindensdieser Hoffnungen. Manches Mut ist der Grenze der vollständigenMut- und Vertraueuslosigkeit nahe gerückt.
Es sei fern von uns, dieses tadeln zu wollen, die Er-scheinung ist erklärlich; aber billigen können wir sie nicht, wirhalten sie nicht für gerechtfertigt, nicht für begründet.
Werfe der mutlose, verzagt gewordene Lehrer einen Blickauf die Geschichte des Schulwesens seit der Reformation bisheute, was offenbart sich seinem Blick? Stillstand und Rückgangoder Fortschritt und Entwickelung? Der trostlose Lehrer beant-worte sich mn Faden der Geschichte nur die eine Frage: Wiestand es mit dem Schulwesen, mit der Lehrerbildung, mit demStreben der Lehrest752 und wie steht es damit 1852? —Werdavon auch nur wenig weiß, den darf man dreist auffordern zur
D i estsrw eg. Ausgew. Schriften. L. Aufl. IN. 10