Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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einst wird sie auch über die letztere zu Gericht sitzen, oder sie istschon damit beschäftigt.

Der Respekt vor der dem Menschen van Gott und Naturverliehenen Individualität wird die Menschheit vor ähnlichenLeiden bewahren.

Man hätte glauben sollen, eine so stark ausgeprägte Indi-vidualität, wie die Friedrichs des Einzigen, ein solcherCharakter, ein solcher Mann rc. würde die Lust in sich verspüren,andere sich gleich zu machen (zu seinen Lebzeiten hatte wirklichkein zweiter eine gleich starke Berechtigung dazu); aber was warsein Grundsatz?

Bei mir kann jeder nach seiner Fa9vn seligwerden." So dachte und sprach der große Mann, eben darumder große Manu. Und er äußerte sich, wie ich nochmals an-sühren muß, ein andermal (ich weiß die Anfangsworte nichtbuchstäblich) so: Ich achte jeden, wenn er nur ehrlich ist.In diesen beiden Grundsätzen liegt wirklich in betreff des nega-tiven Verhaltens gegen andere das Gesetz und die Propheten.In dem ersten ist der erhabene Grundsatz der Toleranz oder derAchtung der Individualität, die Anerkennung der Berechtigungzu individueller Entwickelung (Entwickelungsfreiheit!) ausge-sprochen ; der zweite enthält die Grenze, welche die freie Ent-wickelung innehalten muß: Rechtschaffenheit, Tugend. Jeder sollReligion haben und Tugend üben; aber jeder beides in seinerWeise.

Hiermit schließe ich meine Bemerkungen. Dieselben er-schöpfen die Sache nicht, sie lassen noch manche schwierige Frageunbeantwortet; aber sie sind doch dazu geeignet, das Nachdenkenzu wecken und das für die praktische Pädagogik so enorm wich-tige, in der Theorie noch nicht gehörig gelöste Problem der In-dividualität zu umschreiben.

Jeder Beitrag dazu wird von mir willkommen geheißen.