Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
111
Einzelbild herunterladen
 

111

den Eltern! Es giebt in der Wirklichkeit keine abstrakte, sondernnur eine konkret-individuelle Erziehung, wie es keine abstrakte,sondern nur eine persönliche Liebe giebt u. s. w. Ich leugnenicht, daß ich eine persönliche Abneigung gegen die Gymnasienin großen Städten empfinde. Wenn ich mich frage, worin diesebegründet liegt, da ich doch nicht aufgehört habe, die Bildung,die sie verbreiten, in ihrer Art zu schätzen, so muß ich mir sagen:sie rührt von dem Mangel persönlicher und individueller Hin-gabe der Lehrer an die Schüler und dann natürlich auch vonder umgekehrten Erscheinung, kurz von dem abstrakten, entfernten,fremden Wesen in diesen Anstalten her. Ganz unberechenbareÜbel entstehen dadurch, wovon nur der eine Anschauung habenkann, der diese Übel und Leiden empfunden hat. Hätten dieEltern eine Vorstellung von den Empfindungen, die einen wahrenLehrer gegen seine Schüler beleben, so würden sie es wahrlich nichtüber sich gewinnen, ihm die Behandlung anzuthun, die ihm oftwiderfährt. Es braucht keine Mißhandlung zu sein, an der Nicht-achtung ist genug. Ich appelliere hier an die Erfahrung solcherLehrer, die nur gemeint sein können.

Durch eine zweite Bemerkung muß ich diesem und jenemLehrer entgegentreten.

Ich habe die persönliche Erziehung, die Berücksichtigung derIndividualität verteidigt, und zwar des Lehrers wie des Schülers.Da könnte nun dieser oder jener Lehrer Herkommen und alles vonseiner Person, seinem persönlichen Belieben abhängig machenwollen. Man hat Beispiele! Hier sträubt sich einer gegen denEntwurf von Lehr- und Stundenplan, oder wenn er beides ent-werfen muß, so legt er den einen ins Pult, den andern hängter an die Wand, thut aber trotzdem, was ihm beliebt. Einandrer, der an einer zusammengesetzten Schule arbeitet, bekümmertsich nicht darum, was die folgenden Lehrer voraussetzen, er lehrtso, als wenn er allein dastünde; noch weniger ist er geneigt, zurHerstellung der Einheit und Übereinstimmung des ganzen Lehrer-kollegiums mitzuwirken. Nach seiner Ansicht giebt es nichtsAllgemeines in der Methode, »och in der Disziplin; er hat seineMethode, und es giebt nur eine individuelle.