Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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Preisen, nicht die Rede; sie haben keinen Charakter oder denCharakter der Willkür und Laune, die Individualität besteht aberwesentlich im Besitz eines festen Charakters. Wer sich im Besitzdesselben weiß, weiß auch, was für einen Schatz er an ihm hat,

fällt.Das hat mir gefallen, jenes hat mir nicht gefallen," das ist einestehende Redensart bei ihm. Sie ist zu dulden, solange nicht die Prätensiondahintersteckt, daß andere einstimmen sollen, solange es ein Ausdruck sub-jektiver Meinung ist. Aber man merke darauf- aus dem Munde rechterMenschen wird man ihn entweder gar nicht, oder nur höchst selten, nur davernehmen, wo subjektive Meinungen an rechter Stelle sind, z. B. beim Essenund Trinken und andern sittlich ganz gleichgültigen Dingen. Und wer in derThnt bescheiden ist (die meisten nehmen nur den Schein dieser sozialen Tugendan), der stellt seine mit objektiven Gründen belegte Ansicht als Meinung hin inöge man sie annehmen oder verwerfen! Davon hängt die Wahrheitund ihr Fortbestand nicht ab. Dem objektiven Menschen gilt es überall umdie Sache, nie um die Person, nie um seine Person, dem subjektiven istsie alles, alles dreht sich bei ihm um Persönlichkeiten darum Wehe denBeamten unter einem subjektiven Chef! Der subjektive Mensch hat esnicht bloß immer mit seiner Person, sondern mit den Personen überhaupt,mit dem Persönlichen, nicht mit dem Sachlichen, Objektiven, zu thun.Er liebt und haßt die Personen, statt die Sachen, die Objekte, die Tendenzen,die Prinzipien zu hassen und zu lieben. Diesen ungeheuren Unterschied be-greifen Tausende von Menschen, sogar manche Regierungen nicht. Sie meinen,dieses oder jenes Prinzip aus der Welt geschafft zu haben, wenn sie diesenoder jenen Menschen beseitigen, und sie verleihen oder verweigern dis Ämternach persönlicher Zu- oder Abneigung. Der wahre Herrscher hat diePrinzipien im Auge und gestattet volle Freiheit jeder individuellen Richtung,bei der Wahl der Beamten nur nach der Thätigkeit blickend. (Friedrich der-Große!) Der subjektive Mensch haßt die Jesuiten, nicht ihr Prinzip, denner duldet es an Personen, die ihm genehm sind, statt daß das Prinzip:DerZweck heiligt die Mittel" ihm in jeder Gestalt und Art als ein funesteserscheinen sollte. Aber für seine Zwecke oder die Zwecks seiner Parteifindet er es praktikabel. Die ultramontanen Jesuiten sind gewiß nicht sehrliebenswürdig; die protestantischen Jesuiten wahrlich aber noch viel ver-nbscheuungswürdiger. Der rechte Mensch haßt die Lüge, den Verrat, dieZweideutigkeit, den Meineid an den Angehörigen mehr, als an den Fremden,kurz: er haßt das verderbliche Prinzip, das System. Begriffen das dieMenschen, sie würden sich über manche, ihnen unerklärliche Erscheinungennicht mehr wundern, über andere aber desto mehr! Sie meinen, man könnenicht anders, wenn man Prinzipien bekämpfe, müsse man auch deren Trägerhassen und trotz dieser leider so weit verbreiteten Meinung halten sie sichfür vorzügliche Christen. (!)