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3 (1891)
Entstehung
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Wickelung der selbsteigenen. Aber so ist es nicht. Ich berusemich auf das Naturgefühl eines jeden, einein ausgeprägtenCharakter gegenüber. Es geht keine Schwächung des selbsteigenenWesens, sondern eine Stärkung desselben von ihm aus. SelbstBücher, von ausgemünzten Menschen geschrieben, wirken in ähn-licher Weise. Der Charakter des einen fordert den Charakterdes andern heraus. Die das nicht missen, wundern sich darüber,daß dieser oder jener Lehrer trotz seiner Schroffheit die Schüler,fast noch mehr die Schülerinnen/ anzieht und fesselt. Das ist diewohlthätige Wirkung fester Individualität.

Aber man halte bei diesen Sätzen einen wichtigen Unter-schied fest: es ist nicht die Rede von Temperament und Subjek-tivität, soirdern von Individualität. Das Temperament, sei esauch noch so konstant, bringt nie diese, wenn ich so sagen darf,ethische Wirkung hervor, natürlich das schwankende, launische amwenigsten, es stößt vielmehr geradezu ab; noch weniger ist hier-von einer Geltendmachung subjektiver Meinungen und Bestreblingen,subjektiver Willkür und Laune die Rede, sondern vom direktenGegenteil. Die Subjektivität besteht in Äußerlichkeiten, ist eineFolge älcherer Einflüsse und empfangener Richtungeil, kann mitder angebornen Individualität übereinstimmen, was eiu glücklichesLos andeutet, derselben aber auch widersprechen, in welchem Falleman mit Sicherheit auf verkehrte Erziehung zurückschließen kann.Ein Lehrer, der seine Subjektivität geltend macht und überallzuvörderst auf ihre Beachtung reflektiert, gestattet keinem Schülereine selbständige Entwickelung, er verlangt das Gleiche vonihnen, liebt die Schiller, die darauf eingehen (die schwächereil,schlechter gearteten), stößt die gediegeneren zurück und erzeugtMenschen seiner Art, d. h. subjektive Menschen, die alles, wassich ereignet, subjektiv nehmen und darum nie zu einem objektiven,vorurteilsfreien, uneigennützigen Urteil gelange» sie sind die Ver-derber der Charaktere, in amtlichen Verhältnisseil die launenhaftenGebieter, die ihre Lieblinge habeil, Schmeichler und Heuchler er-ziehen. Von diesen Subjektiven* ist, wenn wir das Individuelle

* Der subjektive Mensch prätendiert, daß auch andern gefalle, was ihmgefallt. Statt Gründe zu nennen, sagt er, was ihm gefallt und miß-