Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
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er auf die Besonderheit der Kinder Rücksicht nimmt. Jedes Kindhat de» Naturtrieb, seine innere Wesenheit, d. h. seine Eigen-tümlichkeit, anerkannt und geschätzt wissen zu wollen, und sodunkel die Sache selbst sein mag, es hat ein lebendiges Gefühlfür die fremde, wie für die eigene. Die zauberhafte Anhänglich-keit der Kinder in mancher Schule an ihren Lehrer hat in dem

Gefühl, daß der Lehrer jedes Kind in eigentümlicher Weise auf-fasse und derselben gemäß behandle, ihren tieferen Grund.

Die individuelle Entwickelung wird

3) dadurch gestört oder unmöglich gemacht, wennder Lehrer von allen Kindern dies elben Leistun-gen verlangt.

Es entsteht dadurch die größte Ungerechtigkeit, was so klar

ist, daß Worte darüber als überflüssig erscheinen müssen. Wie

wird diesem Schüler etwas unendlich schwer, was der andere alsleichtes Spiel behandelt! Wenn nun die Schule die ganze Zeitdes Schülers in Anspruch nimmt, und die Lösung der Aufgabendessen ganze Kraft absorbiert, wie sollte sich da seine Eigentümlich-keit entwickeln können? Dazu gehört, daß ihm freie Muße bleibe.Die Erfahrung lehrt auch den kundigen Mann, daß gerade dieSchüler, welche nicht zu allen Gegenständen gleiche Anziehungverspüren, sondern Liebhabereien haben und sie pflegen, im späterenLeben selbständig am meisten leisten.

4) Wird die freie Entwickelung, wenn nicht ge-hemmt, doch le icht gefä hrdet durch den Massen-unterricht.

Die alten Schulen kannten ihn nicht, jeder Schüler arbeitete,lernte, sagte auf für sich. Die neue Schule hat den Lehrerndie Befähigung angeeignet, eine ganze Masse zu bearbeiten, dieeinzelnen Glieder zusammenzuhalten und zu derselben Zeit an einbestimmtes Ziel zu führen. Zum Teil darin besteht die Virtuo-sität der Lehrer der neuern Zeit. Aber sie führt eine Gefahr her-bei, nämlich die, daß ein solcher Lehrer den Blick für individuelleVerschiedenheit und Entwickelung. verliert. Und doch fühlt sichder einzelne Schüler nur dann innerlich beglückt, wenn er wahr-nimmt, daß der Lehrer seine Eigentümlichkeit kennt, seine Vor-