des einen Menschemvesens schon in der Jugend äußern mögen.Dieselben zeigen sich in ihren Anfängen schon in sehr frü Her-Jugend. Wenn das Kind zur Schule kommt, hat sie schon einegewisse Bestimmtheit, und sie bleibt auch dein aufmerksameil Be-obachter nicht verborgen. In ihrer Kraft und Ausbildung sollsie mit den Jahren nicht abnehmen, sondern wachsen, immer be-stimmter und energischer anftreten. Sie nicht zu achten, nicht zurespektieren, ist geradezu ein Vorgreifen, ein Verbrechen an derMenschennatur. Für uns hat die Frage: wodurch wird sie be-einträchtigt und gestört? die größte Bedeutung. Es geschiehtdieses:
1) durch die gänzliche Nichtbeachtung derselben.
Es giebt Lehrer, welche für sie gar kein Auge haben. Ein
Kind ist ihnen wie das andere, ein Kind, ein abstrakter Schüler,kein Individuum. Wahr ist: der Lehrer soll alle Kinder mitgleicher Liebe umfassen, weder Rang und Stand, noch Schönheitund Häßlichkeit, weder liebenswürdiges, noch abschreckendes Wesen,weder Talent noch Kopflosigkeit u. s. w. soll darauf Einflußhaben, und es ist eine hohe Tugend des Lehrers, wenn er für-alle ohne Ausnahme dasselbe Gefühl hat — eine nicht selteneErscheinung, die dem Nicht-Lehrer oft unbegreiflich vorkommt;aber diese treffliche Eigeilschaft darf sein Auge gegen die Auf-fassung der Besonderheit in den Kindernaturen nicht abstumpfen.Geschieht dies, so wird er
2) alle Zöglinge in der einen und gleichen ab-strakten Weise behandeln.
Er macht sich ein Gesetzbuch, er entwirft Regeln für seinVerhalten, den Fehler bestraft er so, den andern so, auf dieTugend setzt er die Belohnung, auf die andere die, abgesehendavon, an wem sich jener zeigt, wer diese besitzt. In keiner Ge-sellschaft aber hat der Satz: „wenn zwei dasselbe thun, so istes nicht dasselbe/' eine größere Bedeutung als in der Schule.Jene Konsequenz ist die größte pädagogische Inkonsequenz. Einsolcher Lehrer möchte die abstrakte Gleichheit auch in die Kinder-welt einführen. Besitzt er das Vertraueil der Kinder — er fürchtenicht, daß er für launisch und parteiisch gehalten werde, wenn
Diesterweg, Ausgew. Schriften. 2. Aufl. III. 7