Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
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Glaubensbekenntnis aufzuzivingen und die unmündige Kindes-natur dazu zu benutzen? Wird es gelingen, d. h. wird, wennder Schulzwang anfhört, das Resultat das erstrebte sein? Oderwird die Menschennatur in jedem, in welchem sie nicht gänzlichertötet worden, sich nicht dagegen auflehnen und empören undmit Schrecken und Abscheu der Zeit gedenken, wo dem nach freierEntfaltung strebenden Geiste die empörendste Gewalt angethauworden? Sollte diese natürliche Erscheinung etwa der Religiositätgünstig sein? Werfe man doch nur einen Blick in die Gegen-wart, um iu der deutlichsten, leider beschämendsten Weise zu er-kennen, was bei diesem Zwangsspstem herauskommt, ob dieMenschheit dadurch wirklich zu religiösem Empfinden, Strebenund Wirken herangebildet worden! Die Erfahrung in der ganzenWelt zeigt die unermeßliche Verkehrtheit des bisherigen Treibens.

Die religiöse Gesinnungs- und Denkweise der Menschenist nicht an das Fürwahrhalten dieses oder jenes positiven, nichtaus der Menschenuatur entwickelbaren Dogmas geknüpft, nochviel weniger ist das sittliche Leben und Streben davon ab-hängig. Alan kann alles mögliche für wahr halten, man kannalle Katechismen der Welt auswendig wissen, man kann selbstder kirchlichste Mensch von der Welt und dennoch ein nich ts-würdiger Mensch sein. Und man kann auch derketzerischsteund unkirchlichste" Mensch von der Welt sein; man kann ausReligiosität den Katechismus verwerfen und die Kirche meiden!Wer die Morgenstunden des Sonntags im Walde, in der grünenKirche, zubringt, ist darum noch nicht im mindesten wenigerreligiös als derjenige, der die (steinerne oder hölzerne) Kirche be-sucht und den Kultus in ihr auf das eifrigste mitmacht. Ichsollte meinen, daß wenig Einsicht und Erfahrung dazu gehöre,um sich davon zu überzeugen. Wahre Religiosität ist nicht andie Zustimmung zu diesem oder jenen: kirchlichen Bekenntnis ge-bunden, und eben darum soll sie nicht vorzugsweise oder aus-schließlich an den Glauben, au positive Lehrsätze gekettet werden.Außerdem bekundet die Bemühung, dieselben dem Kinde im un-reifen Alter, in den ersten Schuljahren, nachsprechend und nach-betend einzupflanzen, nicht die geringste Spur von pädagogischer