Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
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kommen Menschen und Führer der Kinder und Schulen her undsinnen auf Einrichtungen, welche geeignet sind, das Fühlen undDenken aller nach derselben Schablone zu meistern! Ist das etwasanderes als Wahnsinn, Raserei, Despotismus und Tyrannei?Und wirkt dieses Verfahren etwas anderes als Vernichtung derIndividualität?

Es ist darum wohl an der Zeit, das Wesen derselben unddie Notwendigkeit ihrer Berücksichtigung ins Licht zu stellen.Das ist der Vorwurf dieses Aufsatzes. Die Schwierigkeit dieserAufgabe wird mich entschuldigen, wenn ich den großen Gegen-stand nicht zu erschöpfen, nur Andeutungen zu geben vermag.

Unter Individualität der einzelnen Menschennatur verstehe ichkurz die jedem Kinde angeborene Ureigentümlichkeit seines Wesens. Dieselbe ist von Gott gegeben. Er will ihre Entfaltung,ihre Entwickelung. Keiner kann, keiner soll dem anderen gleichsein. Jeder ist ein Mensch, aber ein Mensch seiner Art, einOriginal. In jedem soll das Göttliche auf eigentümlicheArt zur Erscheiuung kommen. Darin besteht die Mannigfaltig-keit und Herrlichkeit des Menschenlebens; in ihrer Erhaltung undEntwickelung liegt das ganze Glück des menschlichen Daseins undWirkens. Ohne sie ist alles beglückende, heitere Sein und Wirkeneine Chimäre. Auf ihr ruht jede erfolgreiche Wirksamkeit in deinder Naturbestimmung gemäß gewählten Berufe. Dieser Eigen-tümlichkeit gemäß offenbart sich auch jede wahre Religiosität.Ju diesem Menschen tritt sie mehr als Erkenntnis, in jenemmehr als Gefühl, in einem dritten mehr als Thatkraft hervor.Der faßt das Göttliche so, der andere so, und jeder andere inverschiedener, in seiner Weise. Wer diese Verschiedenheitennicht kennt, nicht achtet, nicht begünstigt, ist kein Erzieher, sondernein Menschenquäler, ein Despot. Sollen zwei oder hundert undtausend Kinder in ganz gleichen Tönen reden, einerlei Handschriftschreiben, dieselben Aufgaben in derselben Weise anflösen? Ver-suche man es, ob es gelingt! Und wenn dieses Äußerliche nichtmöglich ist, ist dann Verstand, Einsicht darin, wenn man ver-sucht, dieselben Vorstellungen über unsichtbare, geistige Dingehervorzurufen, steckt Wohlwollen in dem Bestreben, allen dasselbe