Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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VIII.

Individualität, Subjektivität und Äharakter.

Individualität und Charakter, das sind dieZentralsonnen, wohin unsre Didaktik und Pädagogiksteuert." Scheib ert.

Die Gewißheit einer anerschaffenen göttlicheil Naturanlageliegt iil der Eigentümlichkeit, Besonderheit, Individualität einerjeden Menschennatur. Wer sie nicht achtet, vergreift sich an derNatur und ihrem heiligen Urheber selbst. Wer eine Ahnung d a-von hat, wird von heiliger Scheu ergriffen, in dieses Heiligtumder persönlichen Wesenheit eines Menschen einzugreifen. DiesesGefühl beherrscht den Mann, der den Namen eines Erziehers ver-dienen will, der Kindesnatur gegenüber. Darf er es sich ge-statten, derselben ein Gepräge zu geben, sie in eine Form einzu-pressen, sie mit einer beliebigen Signatur zu versehen? Darf erGefallen daran haben, das Verschiedene zur Einerleiheit zu ge-stalten und alle von der Natur angelegteil Unterschiede zu ver-wischeil, lim eine einheitliche Herde vor sich zu haben, oder soller sich der unendlichen Mannigfaltigkeit der Daseinsformen er-freuen? Religiöses Gefühl und Bewußtsein ist eine Zierde, istdie Blüte jeder Menschennatur; aber in den mannigfaltigstenFormen und Gestalteil. Soldateil darf man uniformieren, Geisternicht. Uniformierte Geister tragen die Zeichen geistiger, d. h. derentehrendsten, verderblichsten Knechtschaft. Ein freier Geist er-trägt ihren Anblick nicht. Ich achte und ehre jeden Menschen,er mag denken und glauben, was er kann lind mag, wenn ernur ehrlich ist, sagt Friedrich der Große. Und nun