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So verschwindet ganz jener mittelalterige, gemachte Gegen-satz. Und damit hat sich der Kreis der Religion unendlich er-weitert. Kein menschliches Thun ist von ihm ausgeschlossen;alles Menschliche, alles zum menschlichen Dasein und Leben Ge-hörige, alles für dasselbe Nützliche und Förderliche gehört zurReligion.
Muß man nicht erstaunen, wenn man auf diesen: Stand-punkte viele Erscheinungen auch unsrer Tage betrachtet? Nichterstaunen, wenn man wahrnimmt, daß hohe und niedere Lehreres für ein weltliches Geschäft betrachten, dem Wesen des Geistes,seinen Gesetzen und seiner Pflege nachzudenken, es im Gegensätzegegen das Heilige für profan erachten, den Gesetzen der Naturnachzugehen und sie ans Licht zu ziehen? Nicht erstaunen, wennLehrer eine heilige Miene und einen salbungsvollen Ton an-nehmen, wenn sie von dem Sinai und dem Jordan reden,während sie in trivialer Weise von dem Leben der Pflanze undvon der Bewegung der Gestirne sprechen? Hört man danebenaus ihrem Munde den Satz, daß Gott in allem, alles in allemsei, so bemerkt man ihre Gedankenlosigkeit. Sie sprechen einenganz richtigen, großen Gedanken aus, aber man bemerkt nirgendsin ihnen seine Wahrheit, er ist in ihrem Munde eine Phrase.
Summa: Der rechte Mensch ist überall derselbe, er thutalles im rechten, ich würde sagen: in höherem Sinne, wenn mandamit nicht gleich wieder etwas Verkehrtes verstehen wollte, seinLeben ist eines, er ist nicht am Sonntage fromm und in densechs andern Tagen ordinär und gemein; seine Arbeit ist ihmReligion, sein Schaffen für sich und die Seinigen geschieht inecht menschlichem Sinne; alles ohne Ausnahme, was zur Ver-vollkommnung des menschlichen Daseins gehört (und was gehörtenicht dazu?), hat eine menschliche und damit, wenn man es nurrecht verstehen will und kann, eine religiöse Bedeutung.
Auf diesem Standpunkte bedarf es keines Beweises, daßauch alles Lehren, jedes Thun des Lehrers religiöser Art, daßjeder Lehrer ein Religionslehrer ist.
Mit dieser Auffassungsweise wird sein Thun nicht bloß ge-hoben, sondern die ganze Art der Betrachtung über die Stellung