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Arbeit; die rechte Arbeit, das rechte lehren ist religiös, der In-halt selbst ist ein religiöser. Das ist der Unterschied. Wirsagen daher nicht: die Rechenstunde soll religiös sein, durchreligiöse Gebräuche geweiht werden, sondern: der Rechenunterrichtoder die Lehre von der Zahl ist religiös; nicht: der Rechenlehrersoll nebenbei auch Religion lehren, sondern: er lehrt als solcherReligion, religiöse, von Gott herstammende Wahrheiten.
Jeder (echte, wahre) Lehrer ist Religionslehrer.
Das Gebiet der religiösen Anschauung hat sich unendlicherweitert. Darin liegt die Begründung des Themas diesesAufsatzes.
Ehemals spukte in den Köpfen den Menschen (bloß ehemals?)die Vorstellung eines absoluten Gegensatzes zwischen Himmel undErde, oder auch zwischen Himmel und Hölle und — Erde, demJenseits und dem Diesseits. Alles, was zn jenem gehörte, wurdemit religiöser Scheu betrachtet, dieses galt für trivial, profanund gemein. Alle Religion bezog sich auf das Jenseits, undwer von dem „Reiche Gottes auf Erden" sprach, dachte an dasHereinziehen des Jenseits in das Diesseits oder an die Auf-lösung dieses und jenes. Wer religiös sein wollte, echt undganz religiös, mußte seinen Sinn ganz von der Erde losmachenund mit all seinen: Dichten und Trachten in dem Himmel weilen.
Diese Betrachlungsweise herrscht noch in vielen Gesangbuchs-liedern, die wir singen und — von der Jugend auswendig lernenlassen. Die Gedankenlosigkeit ist in dieser Beziehung schrecklich.Der „Gläubige" vergißt mit dein Betreten der Kirche die ganzeWelt, inan kann es in seinen Mienen lesen. Er ist entrücktund verzückt. Man nennt diese Stimmung „gläubige Andacht".In derselben singt er Betrachtungen und versenkt sich in An-schauungen, die man ihn: vergebens in seinem Zimmer zumutenwürde. Wollte man sie ihm hier im Ernste zutrauen, er würdesie mit Hohn zurückweisen. Aber in der Kirche singt er vonEiigeln und Erzengeln, wenn sie auch in seinem Vorstellungs-kreise gar keine Existenz inehr haben. Der Mensch erscheint darinwie ein lebendiger Widerspruch.