Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
72
Einzelbild herunterladen
 

72

herstammende Wahrheit, welche seinen Willen mit einschließt,bezieht, für den schätzenswertesten erachten, zu der höheren StelledesReligionslehrers" hinauf treten. Die Ansicht vomUnterricht und von dem Geschäfte des Unterrichtens würde steigen,beide würden aus höherem Gesichtspunkte betrachtet, der Lehrerselbst sowohl innerlich in und bei sich, als auch äußerlich in derSchätzung der Menschen gehoben werden. Die nächste Folgewürde die sein, daß sich jeder Lehrer durch jene Überzeugung an-getrieben fühlte, seinen Beruf mit religiösem Eifer zu betreiben.

Denken wir darum der Sache etwas nach! Als die dreiGebiete des Wissens und Erkennens, aus welchen alle Wahrheitgeschöpft wird, hört man bezeichnen: Gott, Natur und Mensch.Man kann sie aber auf zwei, ans die beiden letzteren zurück-führen. Denn Gott wird nicht unmittelbar erkannt. Was wirvon ihm missen, wissen wir aus Natur und Mensch, seineinWesen und seiner Geschichte im weitesten Sinne des Wortes.Aber das ist unser Glaube, von dem wir ausgehen, daß Menschund Natur, kurz alles, was existiert, von Gott herrühre, daß erder Urheber und Schöpfer von allein sei, daß er die Dinge unddie Menschen gemacht habe, so wie sie sind.

Daralls folgt, daß, wenn wir die Dinge, Natur und Mensch,in ihrer Wesenheit erfassen, d. h. sie so kennen lernen, wie siesind, wir sie nach der Art und Weise kennen lernen, wie Gottsie geschaffen hat; d. h. der von Menschen erkennbare, sich aufihn selbst, auf die Natur und auf Gott beziehende Inhalt seinerErkenntnis, die Wahrheit, ist der Inbegriff der Wesenheitenund Eigenschaften, welche die genannten Gegenstände der Er-kenntnis in sich tragen, die, da sie sämtlich von Gott herrühren,sich folglich unmittelbar auf ihn beziehen, d. h. religiöser Artund Natur sind.

Es ist bekannt, daß inan ehemals die Wissenschaften inheilige lind profane, die Menschen in Priester und Laien, dieLehrer in Lehrer der heiligen und in Lehrer der weltlichen oderirdischen Dinge einteilte.

Die Ansicht, auf welche sich diese Einteilung gründete, isteine veraltete, und als solche schon aus vielen Köpfen ver-