Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
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Religionsnnterrichtsstunden geben; nein, das kann nicht sein, sollnicht sei», ist auch, wenn man den Satz richtig versteht, nichtnötig. Denn er sagt: jeder Lehrer (versteht sieb: jeder Lehrer,welcher seine Sache ordentlich versteht und treibt) ist ei» Reli-gionslehrer.

Ich habe früher manchmal, meist beiläufig, den Satz aus-gesprochen: Jede Wahrheit ist göttli che Wahrheit. Ichweiß nicht, was die Lehrer dazu gedacht habeu. Ich vermute,daß eiuige ihn gelesen haben, ohne etwas dabei zu denkeu; daßandere gemeint haben, es sei eine der hochtrabenden Phrasen,an die man sich heutzutage schou gewöhnen müsse. Ich mußdaher erklären: es ist mir vollkommener, ganzer Ernst mit demSatze: Jede Wahrheit ist göttliche Wahrheit. Stehter einmal fest, so wird inan leicht die beiden folgenden geltenlassen:

Jeder Lehrer lehrt Wahrheiten (oder Fertigkeiten,ruhend auf Wahrheiten). Folglich lehrt jeder göttlicheWahrheiten. Was Gottes ist, gehört zur Religion,ist Religion. Folglich ist jeder Lehrer ein Reli-gio n s l e h r e r.

Ich bin der Meinung, daß der an die Spitze gestellte Satzeiner Ausführung wert sei. Eine Wahrheit, für manchen viel-leicht eine neue, ins Licht zu stellen, ist immer der Mühe wert.Und wie schön wäre es, wenn die genannte sich als wahr erwiese!

Diejenigen, welche sich bisher vorzugsweise und ausschließlichals Religionslehrer betrachtet haben, würden inne, daß sie vielmehr Kollegen haben, als sie bisher glauben mochten. DieseÜberzeugung dürfte besonders denjenigen zu wünschen sein, welchealsReligionslehrer" bisher geneigt waren, sich für mehr zuhalten als die übrigen Lehrer, und auf diese Meinung besondereAnsprüche zu gründen; unser Satz würde, wenn nicht gerade derDemut, auf welche dieReligionslehrer" so hohen Wert legen,doch der Bescheidenheir einigen Vorschub leisten. DieNeligions-lehrer" würden fortan mit den übrigen Lehrern in eine Linietreten, oder vielmehr: alle Lehrer würden, da auch wir den reli-giösen Unterricht, d. h. denjenigen, der sich auf die von Gott