Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
58
Einzelbild herunterladen
 

58

allem zu verbreiten. Sie fühlen und wissen warum. Ihre Un-kenntnis weidet sich an dein Unbegreiflichen, Leeren. Sie füllendasselbe durch Phantastik. Sie lieben das Unbegreifliche, weiles unbegreiflich ist, und können sie dabei doch nicht auf allenVerstand verzichten, so bringen sie es nach Möglichkeit in einSystem. Das Mystische ist das Lieblingsfeld ihrer Betrachtung.Ich glaube es, weil es unbegreiflich ist."

In solcher Weise verstehen und begreifen wir ihrenStandpunkt und ihr Gebaren. Ihr Ausruf: Was begreiftdenn überhaupt der Mensch! nämlich ein so erbärmliches Wesen scheint Demut zu sein, ist aber, in tausend Fällen gegeneinen, entweder Unkenntnis und Beschönigung derselben, oder in-direkte Verteidigung ihres inneren Behagens an dem ihnen oderüberhaupt Unbegreiflichen. Daß es des letzteren giebt, leugnenwir natürlich auch nicht. Aber wir halten es für das würdigsteStreben, das Unbegreifliche nach Möglichkeit zu begreifen undbegreiflich zu machen, und wir rufen ihnen mit Lessing zu:Kann mau seinen Verstand nicht an etwas Besserem üben, alsan uuerforschlichen Dingen?"

17. Erst in der neueren Zeit ist die Natur zu einerdeutlichst sprechenden Offenbarung Gottes geworden, nämlichseitdem mau die Gesetzmäßigkeit ihres Wirkens erkannt hat.

Für Paulus war die Welt noch kaum mehr als ein Beweisdes Daseins Gottes. In den dunkelsten Zeiten des Mittel-alters erblickte inan weder in dem Menschen, noch in der Natureine Offenbarung Gottes; in späteren Zeiten ließ man wohljene, nicht aber diese zu. Die Natur war damals dem Teufelunterthau; wer sich daher auf die Natur verstand, hatte solcheWissenschaft vom Teufel, und man behandelte ihn als Teufels-gesell mit dem Scheiterhaufen. Dagegen galt in dem Altertnmeder Naturkenner für einen Weisen, man sah in ihm einen Günst-ling der Götter.

So stehen die religiösen und die Weltvorstellungen, oder dievon Gott und Natur und die des Verhältnisses des Menschen zubeiden in ganz natürlichem Zusammenhänge. Mit jeder Epochein der Naturkunde haben sich die Vorstellungen von Gott ge-