Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
56
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an den elektromagnetischen Telegraphen erinnern, durch welchenes möglich und wirklich geworden, daß eine präzis um 12 Uhrvon Berlin entsendete Nachricht eine halbe Stunde früher inKöln am Rhein eintrifft. Die Hauptsache aber bleibt, daß dieWahrheit an das Licht gebracht, der Untersuchungs- undForschungsgeist geweckt wird.

13.Jede abergläubische Meinung ist eine Krankheitsanlagein unseren: geistigen Leben"; jede falsche Meinung nährt eineschädliche Seelenthätigkeit. Es giebt keine unschädlichen Jrr-tümer, keine unschädlichen abergläubischen Meinungen. Die Er-kenntnis der Wahrheit tötet den Irrtum.

14. Schiller oder Goethe sagt:Alles ist Frucht und

alles ist Samen." Was will der Dichter damit sagen? Was

anderes als: Alles ist in ewiger Entwickelung begriffen,jedes Ding ist durch vorhergehende Dinge hervorgerufen untresselbst ist wieder die Basis neuer Produktionen. Ewig stetigeEntwickelung ist ein Weltgesetz. Was folgt daraus für dich?Dieses, daß d u solange ein lebendiges Glied des Weltorganismusbist, als du dich entwickelst, und daß du tot bist, sobald dieEntwickelung aufhört. Und dein Geiste sagt jenes Gesetz, wenner ewig sein will, Schillers so oft wiederholtes großes Wort:Lebe im Ganzen! Wenn du lange dahin bist, es bleibt."

15. Das Tier schaut die Schöpfung an, aber nur derMensch hat Selbstbewusstsein, er stellt die Welt sich gegenüberund denkt darüber nach, was sie sei, bedeute und enthalte. DerMikrokosmus erforscht den Makrokosmus. Er beruhigt sich nichtbei der Auffassung der Erscheinungen, er fragt nach ihremGrunde und nach dem Grunde des Grundes, er will wissen,was die Welt im Innersten zusammenhält". Alles, ums vorseinen Augen liegt, ist in ewigen: Wechsel begriffen, nichts scheintdauernd und bleibend, als dieser Wechsel; aber er verlangt dasallen: Wechsel zu Grunde Liegende, was selbst nichts Wandel-bares sein kann, er sucht in den: Unbeständigen das Beständige,in dem Veränderlichen das Unveränderliche, in dem Zeitlichendas Ewige. Dieses ist der Geist, oder die Kraft, oder die Ver-nunft, oder die Weltseele, oder, wie ihr wollt Gott, der alles