Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
54
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mehr verstellen können, rührt von der Unwissenheit her. DieAlten konnten sich im Raume lebende Wesen von ewiger Jugendund Schönheit denken, wir nicht mehr. Die Alten konnten sichWesen denken, die vorn Mensch, hinten Pferd waren; wir nichtmehr, weil die Menschennatnr der Pferdenatur widerspricht.Beide können nicht in einem Wesen zugleich existieren. Ein Mensch-pserd ist ein Unding. Die Bildung beschränkt die Sphäre des Vor-stellbaren, erweitert sie dagegen wieder von einer anderen Seite.Die Möglichkeit verengert, die Wirklichkeit erweitert sich.Allendenen (sagt Oersted), welche einen beschränkten Be-griff von der Natur haben, ist es möglich, sich einenübernatürlichen Eingriff in dieselbe zu denken,ohne selbst die Vernunftwidrigkeit des Gedankensgewahr zu werden: aber sie leben doch, ohne es selbst zuwissen, in einem Widerspruche mit dem Dasein und müssen beijeder kräftigen Gedankenbewegung dahin kommen, es zu fühlen;treibt dieses geistige Streben sie nicht soweit, daß der Wider-spruch mit der Klarheit vor sie hintritt, welche erforderlich ist,um sie über denselben hinaus zu führen, so bleiben sie in einemtraurigen, die Seelenkraft niederdrückenden Gefühl der Verwirrungund Entfernung von dem ewigen Lichte stehe». Der hier be-sprochene Zustand kann bei gewissen Menschen, und zwar sehrhäufig in gewissen dunkele» Zeitaltern, zu der äußersten Ver-senkung in geistige Finsternis und daraus folgendem Vernunft-haß und Gottlosigkeit ausarten/'

7. Die Vernunftnotwendigkeit ist keine blinde Notwendigkeitmehr, sondern das Ergebnis vernünftiger Einsicht und gesetz-mäßigen Wollens. Vernünftige Gesetze sind nicht bloß solche,welche die Vernunft anzunehmen genötigt sind, sondern auchsolche, welche als Wirkung der Vernunft notwendig sind. DieVernunft verfolgt bei uneingeschränkter Wirksamkeit durch ihreeigenen Gesetze vernünftige Zwecke, lind sie erreicht sie durch dazugeeignete Mittel. Unser endlicher Verstand ist zwar nicht scharfgenug, überall in der Welt mit Sicherheit zu sagen, was Zweckund was Mittel sei. Das Richtigere wird sein, weil» wir sagen:Nichts ist bloßes Mittel und nichts ist ohne Zweck. Zweck und