Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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natürlicher Gang der Sache, nicht bei allen, aber bei vielen,namentlich bei solchen, welche darüber, daß sie einen Irrtum lossind, eine edle (menschlich-edle wer sie einmal geschmeckt hat,wird sie nie wieder vergessen also eine menschlich-edle) Freudeempfinden, wie in der Regel alle wohlbegabten Jünglinge. EinExtrem ruft, wenn es als Extrem erkannt wird, das andere her-vor, und die Reaktion geht immer zu weit. Daher die Er-fahrung, daß die Menschen leicht und schnell von einer fanatischverteidigten Meinung zu einer anderen übergehen, welche sie vor-her haßten und verfolgten.

Am ersten passiert das lebhaften Jünglingen.

Was folgt daraus?

Doch gewiß nicht, daß wir nun den Aberglauben Aber-glauben sein lassen; sondern nur, daß wir ihn mit pädagogischerÜberlegung bekämpfen, ihn allmählich beseitigen, gerade wie derweise Arzt es zu machen pflegt, wenn er durch einen plötzlichenSchnitt Gefahr für das Leben des Patienten befürchtet. Erkuriert ihn dann allmählich durch Weckung der heilenden Kräftedes lebendigen Organismus. Also verfährt auch- der Pädagog.Er leitet seinen an ererbten abergläubischen Meinungen geistes-kranken Schüler so, daß dessen noch übrigen gesunden Kräfte(Anlagen, richtige Ansichten und Grundsätze rc.) die kranken Stoffeausstoßen und entfernen. Wie der Arzt nicht den Leiblichkrankenheilt, sondern die Ratur, der er zu Hilfe kommt, so macht auchder Pädagog den Geistigkranken nicht gesund, sondern er unter-stützt den nach Wahrheit dürstenden Geist, der sich dann selbstkuriert. Was so naturgemäß abfallt, verletzt weder den Körper,noch den Geist; aus der vorigen Krankheit gehen Körper undGeist nicht zu einer neuen Krankheit über, sondern zur Gesund-heit. Aber aus Furcht vor einer zweiten wird die Heilung derersten nicht verabsäumt, sondern mit Berücksichtigung naturge-mäßer Entwickelung eiugeleitet. Das uaturgesetzliche Verfahrenist überall die höchste Weisheit.