Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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künde tötet den Aberglauben und den Unglauben zugleich. AlleWahrheit ist nur eine. Was sich mit einer bestimmt erkanntenund feststehenden Wahrheit nicht verträgt, ist keine Wahrheit.Alle Lehren, welche den Naturgesetzen widersprechen, sind Irr-lehren. Die Natur ist der Inhalt höchster göttlicher und mensch-licher Weisheit und ein Prüfstein für alle angebliche Wahrheit.Nichts darf ihr widersprechen. Die Jrrtümer des Denkens be-richtigt sie selbst.

Willst du weise werden, wende dich an die Natur! Willstdu glücklich werden, befolge ihre Gesetze! Willst du zum wahrenGlauben gelangen, schöpfe auch aus ihr und prüfe das anderean ihr! Recht verstanden, redet sie untrügliche Sprüche.

Znm Schlüsse ist nur noch etwas von dem zu sagen, wovonzu Anfang die Rede war, von der Besorgnis, daß die Be-kämpfung des Aberglaubens den religiösen Glauben überhauptgefährde, die Naturforschung den Unglauben zur Folge habe.

Wäre das erstere wirklich der Fall, so fiele die Schuld aufdiejenigen, welche den Aberglauben in die Welt gebracht, und,da er sehr alt ist, ihn fortgepflanzt haben. Aber es ist in derThat nicht der Fall.

Von den Naturforschern und Naturkennern hat man, wieoben schon zugegeben, oft behauptet, sie glaubten nichts, siewollten alles in Wissen verwandeln, und woran das nicht gelänge,das würde von ihnen verworfen. Daher die Aversion derGläu-bigen", wie sie sich selbst so gern nennen, gegen die Naturforschung.

Die genannten Vorwürfe sind höchst ungerechte, weil un-wahre. Allerdings strebt der Naturforscher, wie jeder wirklicheForscher, nach festem, durch Erfahrungs- und Vernunftgründe be-weisbarein Wissen. Aber nicht alles kann er wissen. Jenseitsder Grenze des Wissens beginnt das Reich des Glaubens. Aberfür den Forscher nicht das Reich des willkürlichen oder blindenGlaubens, sondern des auf Gründen, wenn auch nicht auf streng be-weisbaren Gründen, ruhenden Glaubens. Diese Gründe sind stetsaus der bereits bekannten Erfahrung und aus der Vernunft ge-schöpft; der Naturforscher schließt nach der Ähnlichkeit der Fälle,nach der Analogie.