Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch giebt?"fragt Schiller.

Aber giebt sie nur zu zahlen? Liegt ihre Größe allein odervorzugsweise in den Milliarden?

Daun freilich möchte es sehr schlimm ausseheu. Denn alle(mathematischen) Größen sind relativ.

Mit der Naturkunde geht es gerade wie mit der Philosophie.Eine oberflächliche Kenntnis ihrer Resultate führt von Gott ab,eine tiefere Forschung führt zu ihm hin. Blanche auf Treu' undGlauben angenommene, unhaltbare Meinungen verschwinden aufdiesem Wege; aber das sich Bewährende bleibt und wird festerund sicherer. Die Erfahrung bestätigt diese Behauptung anphilosophisch und naturkundlich durchgebildeten Ärzten undForschern, und es liegt in der Natur der Sache. Die Natur istnicht tot, sondern lebendig; sie ist kein Mechanismus, sondernein Organismus; ihre Einrichtung verkündigt die höchste Weisheit,die höchste Vernunft; ihre Notwendigkeit ist Vernunft-Notwendig-keit, ist Wirkung einer überall in ihr herrschenden Vernunft.

Dem abgespannten Geiste giebt sie neue Schwung-, dem ge-schwächten Körper frische Lebenskraft zurück. In ihr ist manimmer in der besten Gesellschaft, umgeben von lauter Wesen vonGottes Gnaden, alle von echtem, urältestem Adel und reinstemUrsprünge. Die Sprache, die sie reden, ist immer wahr und ge-mütvoll zugleich; sie erklingt in tausend verschiedenen Mundartenund wird doch nie langweilig oder trivial. Sie dringt zu jedemHerzen, auch zu dem ärmsten, und sie hat ihm etwas zu sagenbis zu dem letzten Pulsschlage, mit welchem sie es in ihre treuenArme aufnimmt. Je mehr Energie im Denken sie vorfindet, destotiefere Blicke läßt sie in ihre Geheimnisse thun, und sie berichtigtselbst die Jrrtümer. die einer zu ihr mit heranbringt. Sich vonihr entfernt zu haben, hat schon mancher bereut; die Treue gegensie hat sie dagegen stets mit den schönsten Erfolgen belohnt.Vollkommen ist sie überall, wohin der Mensch nicht kommt mitseiner Qual."

Die Natur-Erkenntnis führt zur Gottes-Erkenntnis; dasVertrauen zur Natur und der Glaube an sie sind eins mit demVertrauen zu Gott und mit dem Glauben an ihn. Die Natur-