41
Wenn die Erkenntnis, die Sonne der Wahrheit, aufgeht,fliehen die Fledermäuse und Eulen in ihre finsteren Löcher.
Ach, es ist schrecklich zu bedauern, daß unsere Geistlichen inder Regel so blutwenig von der Natur wissen. Sie sagen zwar,daß die Natur den Herrn preise und ihre Erscheinungen seineWeisheit verkündigen; aber gehen sie diesen Erscheinungen nach,verstehen sie es, das „Buch der Natur" zu lesen und es zu deuten?Daß sich Gott erbarm'! wird man versucht auszurufen, sie nennensich Gottesgelahrte und kennen nicht einmal — die WerkeGottes, d. i. seine Welt mit ihren ewigen Gesetzen, Gedankenund Ideen. Was würde man von einem sagen, der sich einenGoethe-Gelehrten nennte und nichts von ihm kennte, alsseine naturhistorischen Schriften, eine Seite seines Wesens? Einnicht zu übersehendes Zeichen ist — im Vorübergehen sei es ge-sagt — dieses, daß die Prediger der „freien Gemeinden" sicheifrig auf das Naturstudium zu legen pflegen. Aber wir wallenlieber vor unserer eigenen Thüre kehren, und da müssen wirleider auch oft jenen um Erbarmen schreienden Ruf ertönenlassen. Wie sieht es mit der Naturkenntnis bei vielen Lehrern,in vielen Schulen aus, wie sieht es darum in den Köpfen derLehrer aus! Ist es ein Wunder, daß sie sich von abergläubischenMeinungen, mit der Muttermilch eingesogen und oft von Männern,die sich für Lehrer untrüglicher Wahrheiten ausgeben, ihnen alsGlaubensartikel, notwendig zur Seligkeit, eingetrichtert, — nichtfreimachen können und veralteten Aberglauben von Geschlecht zuGeschlecht fortpflanzen?
Auch das Buch der "Natur muß gelesen und in sein Ver-ständnis eingedrungen werden. An die Wahrheit muß man vonmehr als von einer Seite zu kommen suchen. Gilt dies schonin gewöhnlichen Lagen des Lebens, wieviel inehr von den sicht-bar-unsichtbaren oder unsichtbar-sichtbaren Dingen!
Studieren wir die Natur, sage ich zu mir und zu euch, dieNatur, die göttliche, herrliche, heilige Natur!
Es giebt Menschen — ich weiß cs, denn ich kenne wenigstenseinen —, welche die Natur, das Grün der Wiesen, den blauenHimmel rc., nicht leiden können; aber jener ist kein Lehrer undich glaube nicht, daß es unter den Bezeicbneten — Lehrer giebt.