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glaube behaupten. Wer daher an übernatürliche Wirkungen inder Natur glaubt, ist ein Ungläubiger, und jene Werke sind nichtdes Glaubens, sondern des Unglaubens „liebste Kinder". Sosteht es und so sieht's aus. —
Wichtiger in dieser Sache ist die Frage nach dem Ursprungdes Aberglaubens. Kennt man seine Quelle, so findet man leichtdie Mittel gegen ihn.
Erstens ist der Aberglaube ein Kind der Unwissenheit. Kindernkann man allerhand weismachen, sie machen sich selbst vielweis. Wer die Eigenschaften der Dinge, wer die Erscheinungender Natur nicht kennt, verfällt nur zu leicht dem Aberglauben indie Arme, selbst dann, wenn er seinen Sinnen traut. Täglichkommt die Sonne herauf und geht wieder hinab; wenn diesesgeschehen ist, werden die Lichter des Himmels angesteckt; er er-blickt über sich die „Veste des Himmels"; gewisse Sterne laufenbald rechts und bald links — das alles sieht er, glaubt es zusehen mit seinen eignen Augen. Was er hier für wahr hält,ist zwar noch nicht eigentlicher Aberglaube*, sondern Irrtum;dieser aber führt zu jenem, durch Hinzutritt einer zweiten Quelledes Aberglaubens.
Diese zweite Quelle des Aberglaubens ist die Phantasie, diePhantasie der Menschen im Kindes- und Jünglingsalter derMenschheit, welche Berge und Thäler, Wälder und Wiesen,Quellen und Flüsse rc. mit lebendigen Wesen bevölkert. EinGott fährt auf seinem Wagen, mit Rossen bespannt, die Sonneaus dem -Ozean herauf und in denselben wieder hinab; diesanfte „Luna" lächelt mit ihrem Scheine auf die Erde herab;Haarsterne drohen durch ihre Schweife mit Pestilenz und Erd-beben u. s. w.
Diese beiden Quellen reichen hin — Betrügerei kommt natür-
* Annahme des Naturwidrigen ist darum noch nicht Aberglaube.Wenn einer z. B. meint, Wasser schwimme auf Öl, Öl lösche Wasser, Brannt-wein den Durst, Scheidewasser wirke auf de» Magen wie Branntwein, sonimmt er "Naturwidriges an, aber er ist darum nicht abergläubisch. Aber-gläubisch ist der, welcher annimmt, daß in der Natur etwas gegen dieNaturgesetze geschehen könne. Irrtum aber ist noch kein Aberglaube. Sonstwären alle Menschen abergläubisch.